Archiv für die Kategorie „2. Bauabschnitt“

Endspurt beim Bimmelbahnbau

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Viele kleine Arbeiten laufen noch an den Schienen. Aber um den Fahrplan wird immer noch ein Geheimnis gemacht.

17.03.2017
Von Franz Herz

beim Bimmelbahnbau

Steffen Meinicke (li.) und Alex Beyer überwachen den Schweißvorgang am Gleis im Bahnhof Kipsdorf. Hier wird eine Thermitreaktion eingesetzt, die besonders im Gleisbau üblich ist und Temperaturen von über 2000Grad erzeugt. Fotos:

© Egbert Kamprath

Osterzgebirge. Die Baufirmen arbeiten wieder voll auf dem oberen Abschnitt der Weißeritztalbahn, sagt Mirko Froß, Betriebsleiter bei der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft. Es ist Frühling, der Schnee ist weggetaut, und selbst nachts sinken die Temperaturen nur noch unwesentlich unter die Frostgrenze. Dieses gute Bauwetter nutzen die Unternehmen. Die großen Bauschritte haben sie schon vor der Winterpause zurückgelegt. Das Schotterbett und die Gleise liegen. Die Technik ist zum großen Teil installiert. „Jetzt geht es im Wesentlichen um Restarbeiten“, sagt Froß. Doch das sind keine Kleinigkeiten, sondern Aufgaben, die sich noch einige Wochen hinziehen werden. Da geht es beispielsweise um das Setzen der Kilometersteine. Die müssen sauber eingemessen werden. Die Gleise werden verschweißt. Die Wasserversorgung für die Lokomotiven wird auch wieder auf Vordermann gebracht. Sie stand jetzt 15 Jahre still. Das geht an einer technischen Anlage nicht spurlos vorbei.

In Kipsdorf hat die Weißeritztalbahn eine eigene Quelle mit besonders weichem Wasser. Das hat den Vorteil, dass es kaum Zusätze braucht, um das Verkalken der Leitungen zu verhindern. An der Quelle ist ein Brunnenhäuschen, das von außen deutlich zu erkennen ist an der großen Wasserstandsanzeige. Hier wurden auch viele Teile ausgewechselt und erneuert. Der Wasserkran auf dem Bahnhof ist abgestrahlt und neu gestrichen worden, ebenso andere Armaturen und die Verrohrung. Die unterirdische Leitung vom Reservoir zum Bahnhof wurde von innen neu abgedichtet

Wenn die Züge nach Kipsdorf hochgedampft sind, haben sie je nach Last und Jahreszeit eine Menge Dampf verbraucht. Im Winter beispielsweise schluckt die Heizung viel Dampf, wenn an schönen Wochenenden viele Waggons dranhängen, wird auch mehr verbraucht. Wie viel Wasser künftig benötigt wird, ist aber nach wie vor offen. Jetzt, wenige Wochen vor Abschluss der Bauarbeiten, nennt die Dampfeisenbahngesellschaft immer noch keinen Termin für die offizielle Eröffnung der Bahnstrecke. Froß bestätigt nur, dass das auf keinen Fall vor dem 23. April passiert.

Der Fahrplan steht auch noch nicht fest. Das musste auch Brigitte Rotter aus Schellerhau erfahren. Sie wollte eine Feier für den 19. Juni organisieren und dabei gerne eine Bimmelbahnfahrt mit einplanen. Dafür hat sie beim Hauptsitz der Dampfeisenbahngesellschaft am Bahnhof Moritzburg angerufen. „Dort hat mich eine Dame völlig abgeblockt“, berichtet sie. „Sie könne überhaupt nicht sagen, wann ein Zug fährt.“ Auch der Betriebsleiter ist bei dem Thema sehr kurz angebunden. Zum Eröffnungstermin sagt er: „Wenn wir fertig sind, sind wir fertig“ und zum Fahrplan: „Der muss noch freigegeben werden und wird rechtzeitig bekannt gemacht.“

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/endspurt-beim-bimmelbahnbau-3637699.html

Was bis zur Bimmelbahn-Ankunft noch zu klären ist

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Die Bauarbeiten bis Kipsdorf zu Ende zu führen, ist kein Problem. Die echten Herausforderungen kommen erst noch.

17.02.2017
Von Franz Herz und Mandy Schaks

ur Bimmelbahn-Ankunft noch zu klären ist

Roland Richter, der Geschäftsführer der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft, steht vor dem Bahnhof in Kipsdorf. Bevor der erste fahrplanmäßige Zug hier ankommt, müssen er und seine Kollegen noch für etliche wichtige Punkte eine Lösung finden – und nicht nur sie.

© Frank Baldau

Dippoldiswalde/Kipsdorf. Derzeit liegen die Gleise der Schmalspurbahn zwischen Dippoldiswalde und Kipsdorf zum großen Teil noch unter Schnee. Welche Bauarbeiten sind noch zu erledigen, damit die Dampfzüge wieder bis Kipsdorf fahren können? Das ist nicht die einzige Frage, die vor der regulären Fahrt bis Kipsdorf beantwortet werden muss.

Wie viel Arbeit fehlt noch zur Fertigstellung bis Kipsdorf?

Wenn das Wetter wieder Bauarbeiten ermöglicht, dauert es noch rund sechs Wochen, um mit allem fertig zu werden. Es fehlen vor allem noch Arbeitsschritte im Bereich Kipsdorf. Im Wasserhaus in Kipsdorf laufen derzeit Installationsarbeiten. An der Brücke über die Weißeritz in Obercarsdorf sind auch noch Nacharbeiten erforderlich. Das hat sich aus der Hochwasserschutzübung mit dem Technischen Hilfswerk ergeben. Einige Platten hatten zu wenig Spiel, um die Brücke bei einer Flut leicht bewegen und anheben zu können. Die Teile gehen deshalb noch einmal auf die Fräse. Auch an Stellen, wo die Winden angesetzt werden, sind noch Veränderungen erforderlich. Das sind Werkstattarbeiten. „Das war Sinn der Übung, dass wir solche Erkenntnisse gewinnen“, sagt Mirko Froß, der Betriebsleiter der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft SDG.

Kann der Kabelkanal der Bahn auch fürs Breitbandkabel genutzt werden?

Im Prinzip ist die SDG offen dafür, dass ein Hauptstrang für das schnelle Internet im Kabelkanal der Bahn verlegt wird. Das wurde bereits mit dem Landkreis abgesprochen, der Eigentümer des Bahngrundstücks ist. Weitere Entscheidungen können erst fallen, wenn ein Internetprovider feststeht, der bauen will und die Details mit der Dampfeisenbahngesellschaft abspricht. Der Einbau eines solchen Hauptkabels wird natürlich schwieriger, wenn die Bahn einmal fährt. Ein Kabel ist bereits verlegt, das dient aber nur für Bahnzwecke.

Wann steht nun endlich der neue Fahrplan endgültig fest?

Das ist der Knackpunkt vor der Wiedereröffnung der Strecke bis Kipsdorf. Derzeit gibt es nur einen Entwurf. Demnach fahren in Freital 9.25 Uhr und 15.42 Uhr täglich ein Zug nach Kipsdorf ab und 13.22 Uhr einer bis nach Dippoldiswalde. Die Rückfahrten starten in Kipsdorf 11.11 Uhr und 17.28 Uhr, in Dipps 14.20 Uhr. Um die Fahrten bis Kipsdorf finanzieren zu können, fallen auf dem unteren Streckenabschnitt von Freital bis Dippoldiswalde drei Fahrten weg. Die Verantwortlichen halten sich immer noch bedeckt, wie der tatsächliche Fahrplan ab Eröffnung der gesamten Strecke aussehen wird. „Wir werden rechtzeitig informieren“, sagt Froß. Doch dafür ist die Zeit inzwischen zu knapp, wenn man bedenkt, dass Ende April oder im Mai die Züge fahren sollen und beispielsweise touristische Anbieter sich darauf einstellen müssen.

Wie wird die Bahn in das touristische Angebot der Region eingebunden?

Allein die Ankunft der Bahn in Kipsdorf wird keine Wunder bewirken. Darin sind sich alle einig. „Das kann nur ein Teil sein“, sagt Roland Richter, der SDG-Geschäftsführer. Gemeinsam mit Vertretern der Tourismusbranche und Kommunalpolitikern wird deshalb überlegt, wie die Strecke bis Kipsdorf für Fahrgäste attraktiv gemacht werden kann. Der Altenberger Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) will den Skibus, der jetzt erstmals im Februar durchs obere Osterzgebirge fährt, auch als Wanderbus etablieren und dann eine Verbindung zur Weißeritztalbahn nach Kipsdorf anbieten. So können die Fahrgäste zumindest erst einmal weitere Ausflüge in die Umgebung unternehmen.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/was-bis-zur-bimmelbahn-ankunft-noch-zu-klaeren-ist-3615356.html

Die Bimmelbahner hoffen auf den Frühling

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Schnee blockiert die letzten Bauarbeiten bis Kipsdorf. Viele Angebote stehen fest, aber die Eröffnung noch nicht.

06.02.2017

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Hier dampft die Weißeritztalbahn am Bahnhof Seifersdorf vorbei. Die Strecke zwischen Freital-Coßmannsdorf und der Talsperre Malter ist bei den Fahrgästen am beliebtesten.

© Egbert Kamprath

Freital. Frühestens Ende April wird der erste reguläre Zug der Weißeritztalbahn in den Bahnhof Kipsdorf einfahren. Genauer kann es selbst Mirko Froß, der Betriebsleiter der Sächsischen Dampf-eisenbahngesellschaft (SDG), welche die Bahnstrecke betreibt, nicht sagen. „Das hängt vom Wetter ab. Wir brauchen es dauerhaft frost- und schneefrei. Dann erfordern die noch ausstehenden Arbeiten rund sechs Wochen Zeit“, ehe die Strecke mit allen erforderlichen Abnahmen fertig ist, sagte Froß am Montag auf der gemeinsamen Pressekonferenz von SDG und Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Aus heutiger Sicht weiß er schon, dass dieser Termin bestimmt nicht vor dem 23. April liegen wird.

Außerdem gewinnen damit alle Beteiligten noch etwas Zeit, um am Fahrplan zu feilen. Denn der steht immer noch nicht endgültig fest. Dazu teilten sowohl Froß als auch Christian Schlemper, VVO-Sprecher, nur mit, dass beide Seiten in Verhandlungen stehen. Der Entwurf, der auf der Vollversammlung des Verkehrsverbunds vor zwei Monaten vorgestellt wurde, sieht vor, dass zwei Züge am Tag von Freital bis Kipsdorf fahren und einer bis nach Dippoldiswalde. Ob es dabei bleibt, ist weiter umstritten. Im unteren Streckenabschnitt, der 2008 wieder aufgebaut war, fielen damit Fahrten weg. Das steht im Widerspruch zu den Beobachtungen, welche die Bahner bisher bei den Fahrgästen machen. Der beliebteste Abschnitt führt durch den Rabenauer Grund, teilte Froß mit. Zwischen Freital-Coßmannsdorf und Malter fahren die meisten Leute mit. Diese Strecke lässt sich mit einer Wanderung kombinieren.

Das ist mit ein Grund, warum die Bimmelbahn nicht nur bei den Bauarbeiten, sondern auch beim Publikumszuspruch stark vom Wetter abhängt. Die meisten Fahrgäste zählt die Bahn im Sommerhalbjahr, an Wochenenden, Feiertagen oder Brückentagen. „Und dann kommt es aufs Wetter an. Die Leute entscheiden kurzfristig, ob sie mitfahren, und so ein Ausflug ist eben nicht indoor“, sagte Froß. Im vergangenen Jahr sind rund 145 000 Fahrgäste auf der Weißeritztalbahn mitgefahren, gleich viele wie im Jahr zuvor.

Um die Bahnstrecke weiter attraktiv zu machen, bieten der Verkehrsverbund, die Dampfeisenbahngesellschaft und die IG Weißeritztalbahn wieder eine Reihe von Veranstaltungen an. Das Programm beginnt in den Winterferien. Komplett neu ist der Bibliothekszug, der vom 19. Februar an eine Woche lang täglich um 14.12 Uhr in Freital-Hainsberg startet, bis Dippoldiswalde und zurück rollt. „Die Kinderbuchautorin Anja Schenk fährt mit und liest aus ihrem Buch ,Max und die Eisenbahn’. Außerdem stehen im Lesewagen Bücher bereit zum Schmökern, und man kann eigene Bücher mitbringen und gegen die vorhandenen tauschen“, erklärt Gabriele Clauss, Marketingleiterin des Verkehrsverbunds, die fahrende Bibliothek. Wer mitfahren will, muss eine Fahrkarte kaufen und zwei Euro extra zahlen.

Angebot für Großeltern und Enkel

Zum zweiten Mal bietet die Weißeritztalbahn am Sonnabend, dem 11. Februar, einen Oma-Opa-Tag zusammen mit dem Freizeitzentrum „Hains“ in Freital an. Großeltern können mit Enkeln einmal mit der Bahn bis Dipps und zurück fahren, anschließend im Hains an einem Sportkurs teilnehmen und essen. Für die Kinder gibt es eine kleine Überraschung. Die Teilnahme kostet zusätzlich zur Fahrkarte noch 8 Euro für ein Kind und 9,95 Euro für einen Erwachsenen. Die Veranstaltung wird am 20. Mai und 12. August wiederholt.

Weiter bieten die Eisenbahner wieder bewährte Veranstaltungen an. Dabei arbeiten sie mit Gästeführern zusammen, die Touren auf den Spuren Ludwig Richters oder von Kipsdorf nach Bärenfels anbieten. Die Agentur Sachsenträume lässt von März bis Dezember Braumeisters Dampfzug rollen. Zu Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten fahren Sonderzüge. Die Feste an der Strecke, das Schmalspurfestival am 15. und 16. Juli und am 2. und 3. Dezember der Kleinbahnadvent, stehen auch im Kalender.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/die-bimmelbahner-hoffen-auf-den-fruehling-3606454.html

Eine Brücke lernt Schweben

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Die Bahnbrücke über die Weißeritz in Obercarsdorf lässt sich künftig im Notfall anheben. Sachsenweit ist sie einmalig.

23.01.2017 Von Carina Brestrich

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Halbzeit: Lars Werthmann, Ortsbeauftragter vom THW Dippoldiswalde prüft mit dem Zollstock, wie hoch die Brücke inzwischen ist. 40 Zentimeter sind hier bereits geschafft. Insgesamt 80 Zentimeter sind möglich.

© Egbert Kamprath

Obercarsdorf. Die Funken sprühen, der Trennschleifer frisst sich ins Metall. Um zwei Millimeter muss die Stahlplatte kleiner werden. Und zwar jetzt sofort. Sonst geht gar nichts mehr an diesem Tag, der für Obercarsdorf ein ganz besonderer ist. Denn zum ersten Mal wird die schmale Brücke, die die Weißeritztalbahn über die Rote Weißeritz und weiter bis nach Kipsdorf führen wird, getestet. Sie ist in den vergangenen Monaten so umgerüstet worden, dass sie sich im Fall eines Hochwassers hochkurbeln lässt. Dass sie nun, kurz nach Testbeginn schon nachbessern müssen, damit haben die etwa 20 Helfer nicht gerechnet. „Aber genau dafür sind wir heute hier. Das ist ein Test, um zu schauen, wo Verbesserungen nötig sind“, sagt Lars Werthmann vom Technischen Hilfswerk (THW) Dippoldiswalde.

Um Zeit geht es an diesem Tag nicht. Dabei ist genau das im Ernstfall entscheidend. „Bevor der Pegel in Schmiedeberg 80 Zentimeter, also Alarmstufe 1, erreicht, bekommen wir ein Signal aufs Handy“, erklärt Werthmann. Dann machen sich die Jungs vom THW auf den Weg. Kommt es so wie beim Hochwasser 2002, bleiben knapp zwei Stunden, um die 26 Tonnen schwere Brücke nach oben zu kurbeln – bevor das Wasser eine kritische Höhe erreicht. „Weil die Feuerwehr in solchen Fällen erfahrungsgemäß woanders gebraucht wird, übernehmen wir das“, sagt Werthmann. Vom Ufer aus verfolgt der Beigeordnete des Landrates, Heiko Weigel (CDU), das Geschehen. Das Landratsamt hat lange mit der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft über die Brücke beraten. „Das Bauwerk in seinem ursprünglichen Zustand ist nicht hochwassersicher“, sagt Weigel. Die Brücke ist zu niedrig, ihr Durchlass zu gering. Doch eine neue, höhere zu bauen ist nicht so einfach, weil das ganze Umfeld erhöht werden muss. Das Planverfahren, um die nötigen Grundstücke zu bekommen, zieht sich: „Um nicht so lange warten zu müssen, ist die Lösung nun eine Brücke, die sachsenweit einmalig ist“, sagt Weigel.

Seine Anspannung lässt sich Hubert Westphal nicht anmerken. Dabei hätte er allen Grund dazu. Denn heute zeigt sich, ob seine Idee aufgeht. Der Bauingenieur von der Firma Ipro Consult in Dresden hat die Eisenbahnbrücke zur Hubbrücke umkonstruiert. „So einen Auftrag hat man nicht alle Tage“, sagt er. Inspiration fand er in der Schweiz, wo die Bergbäche ähnlich schnell wie die Weißeritz anschwellen können. Eine Brücke, die im Hochwasserfall vom Wasser selbst angehoben wird, habe ihn auf die Hebelösung gebracht.

Bei der eingleisigen Bahnbrücke in Obercarsdorf ist aber Muskelkraft gefragt. An jedem der vier Pfeiler wird eine Winde aufgestellt. Jede wird von jeweils zwei Männern bedient. Während sie kurbeln, steht ein dritter Helfer mit Zollstock bereit. Damit sich nichts verkantet, muss die Brücke zunächst an einem Ende gleichmäßig angehoben werden. Nach zwanzig Zentimetern ist Schluss. Die Helfer schieben zur Stabilisierung die nächsten Stahlträger unter die Brücke und befestigen sie. Dann sind die Männer am anderen Ufer an der Reihe. Abwechselnd und in vier Stufen kurbeln die Teams die Konstruktion nach oben, schieben Träger für Träger darunter. Am Ende sollen es 80 Zentimeter sein.

Für Obercarsdorf ist der Brückentest ein historischer Moment. Ihn festzuhalten ist die Aufgabe von Sigo Reichel. Erst vor wenigen Tagen wurde er zum neuen Ortschronisten ernannt. Nun hat er gleich seinen ersten Einsatz. Mit der Kamera hält er fest, wie die Brücke Stück für Stück nach oben wandert. Bei den Anwohnern der Weißeritzstraße werden unterdessen Erinnerungen wach. Erinnerungen an die Stunden, die sie lieber aus der Geschichte streichen würden. Beim Hochwasser 2002 flutete die Weißeritz ihre Grundstücke. Ein Anwohner berichtet, wie das Wasser in seinem Haus 1,30 Meter hoch stand. „So etwas will man nicht noch mal erleben“, sagt er. Deshalb hatten er und seine Nachbarn sich dafür starkgemacht, dass für die Brücke eine Lösung her muss. Die gibt es nun zwar: „Trotzdem sehen wird das alles mit Vorsicht“, sagt der Anwohner. Lieber wäre ihm eine höhere Brücke. Die kommt auch, verspricht Heiko Weigel. „Das kann aber noch gut fünf Jahre dauern.“

Nach vier Stunden ist es geschafft. Die Brücke ist oben. Auch wenn alle Beteiligten mit dem Test zufrieden sind: Die Brücke, so hoffen sie, wird nur zu Übungszwecken betätigt. Bevor die Weißeritztalbahn dieses Jahr wieder bis nach Kipsdorf rollt, werden die Männer vom THW noch mal trainieren. Dann aber ohne Vorankündigung, sagt Lars Werthmann. „So wie im Ernstfall.“

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/eine-bruecke-lernt-schweben-3594922.html

Weißeritztalbahn fährt 2017 wieder bis Kipsdorf

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Nach Beendigung der Bauarbeiten werden die Züge den Kurort zweimal täglich erreichen. Insgesamt soll es aber weniger Fahrten geben.

30.11.2016

talbahn fährt 2017 wieder bis Kipsdorf

Im kommenden Jahr fährt die Weißeritztalbahn wieder bis nach Kipsdorf.

© Frank Baldauf

Kipsdorf.Die Weißeritztalbahn wird im kommenden Jahr wieder in Kipsdorf einfahren.

Auf der Verbandsversammlung des zuständigen Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) am Mittwoch hieß es dazu, dass die Bahn nach dem Ende der aktuellen Streckenarbeiten zweimal täglich bis zum Kurort rollen werde. Ein genauer Termin konnte noch nicht genannt werden.

Je nach Wetter rechne man mit einem Start im Frühjahr, hieß es auf der Tagung. Der Takt der Weißeritztalbahn wird sich allerdings verringern. Vorgesehen sind täglich drei Fahrten. Zwei Züge verkehren dann zwischen Freital und Kipsdorf, ein Zug soll von Freital nach Dippoldiswalde rollen. Gegenwärtig starten in Freital fünf Fahrten nach Dipps. (szo)

Weißeritztalbahn hängt noch in der Luft

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Die Gleisarbeiter sind schon in Kipsdorf. Doch einen Fahrplan gibt’s nicht. Nun warten alle gespannt auf den Mittwoch.

25.11.2016 Von Mandy Schaks

talbahn hängt noch in der Luft

Mitarbeiter vom Gleisbau Bautzen verlegen am Bahnhof Kipsdorf die letzten Meter Gleis. Doch auch wenn die ordnungsgemäß liegen, kann noch kein Zug fahren.

© Egbert Kamprath

Freital/Kipsdorf. Vom Kurzurlaub zurück in den Alltag, in das nasskalte erzgebirgische November-Wetter. Gunther Gericke freut sich trotzdem, wieder in seinem Kipsdorf zu sein. Daheim ist daheim. Zudem: Wenn er sich umguckt, erlebt der Kurort gerade so etwas wie seinen zweiten Frühling. Seit der Flut 2002 musste Ortsvorsteher Gericke mit seinen knapp 300 Einwohnern auf diesen Moment warten. Ein Erlebnis, das den sonst so ruhigen und lebenserfahrenen Mann mit Anfang siebzig geradezu ins Schwärmen bringt. „Es hat wahnsinnig viel Freude gemacht, wie die Strecke der Weißeritztalbahn gewachsen ist“, sagt er. Als jetzt noch die Gerüste am sanierten Lokschuppen fielen, war er begeistert. „Da hat man erst richtig gesehen, wie schön das alles wird.“ Farbenfroh statt mausgraues Bahnhofsambiente.

Trotzdem ist er traurig. Die Kipsdorfer hatten fest damit gerechnet, dass ihre geliebte Bimmel zum Weihnachtsmarkt endlich anrollt. Doch daraus wird wieder nichts. Und Roland Richter, der Chef der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft SDG, kann auch keine Hoffnung machen, dass dieses Jahr fahrplanmäßig noch ein Zug von Dippoldiswalde bis Kipsdorf fährt. Der Wiederaufbau der flutzerstörten Strecke ist zwar gut vorangekommen. „Die Gleisarbeiter sind schon in Kipsdorf“, sagt Richter. „Aber wir brauchen noch ein bisschen Zeit.“ Die ist gerade etwas verloren gegangen, weil die Stopfmaschine, welche die Schienen ausrichtet und den Schotter fest rüttelt, kurz schlappmachte. „Deshalb haben wir etwas Verzug“, erläutert Richter. Wenn dann die Gleise liegen, kann aber immer noch nicht sofort ein Zug rollen. Dann müssen die Bahnanlagen hergerichtet werden, und es vergehen weitere vier bis fünf Wochen. „Ein bisschen Bürokratie ist auch dabei“, so der Bahn-Chef. Denn es muss zum Beispiel die Strecke von Fachleuten abgenommen werden. „Deshalb hängt viel vom Wetter ab, wann wir fertig werden. Aber hat es so lange gedauert, kommt es jetzt auf ein paar Wochen auch nicht mehr darauf an.“

Mehr Sorgen macht ihm, wie der Bahnbetrieb zwischen Freital-Hainsberg und Kurort Kipsdorf funktionieren soll. „Es hängt immer noch am Geld“, so Richter. Zur Erinnerung: Die SDG erhält vom Land für den Betrieb von Weißeritztalbahn und Lößnitzdackel in Radebeul rund 4,2 Millionen Euro. Diese Summe wird aber jetzt schon aufgebraucht. Wenn also noch Züge bis Kipsdorf fahren sollen, muss im unteren Streckenabschnitt gekürzt werden. Und bis Kipsdorf – so ging aus einem ersten Fahrplanentwurf im Juni hervor – reicht das Geld nur für eine Fahrt am Tag. Viel zu wenig, kritisierten die Osterzgebirgler. Auch Richter hält so eine Lösung nicht für vertretbar. „Vernünftig wären aus unserer Sicht zwei Fahrten pro Tag bis Kipsdorf“, sagt er. „Wir wollen ja auch ein Stück weit den Tourismus mit ankurbeln.“ Er glaubt, einen ordentlichen Fahrplan hinzubekommen, wenn die SDG zusätzlich eine halbe Million Euro pro Jahr an Zuschuss bekäme. Seit Monaten steht der Bahnbetreiber deshalb mit dem Verkehrsverbund Oberelbe in Gesprächen. „Unser Eindruck ist, jeder möchte eine Lösung haben.“

Das bestätigt VVO-Sprecher Christian Schlemper. Aber große Hoffnungen auf einen Geldsegen kann er bislang nicht machen. Voraussichtlich gebe es „keinen deutlichen Zuwachs an Mitteln“, sagt er, deshalb werde nach einem Kompromiss gesucht. Bahn-Chef Richter blickt nun gespannt auf die VVO-Zweckverbandsversammlung am kommenden Mittwoch in Weinböhla. Wie der Tagesordnung zu entnehmen ist, geht es um den Haushalt für das nächste Jahr. „Die Erwartungshaltung ist groß, dass da etwas passiert“, so Richter. Das hofft auch Gunther Gericke. „Zweimal täglich muss in der Woche ein Zug bis Kipsdorf fahren“, sagt er. „Alles andere wäre rausgeschmissenes Geld“ – bei Baukosten von insgesamt über 40 Millionen Euro.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/weisseritztalbahn-haengt-noch-in-der-luft-3549984.html

Stopfen, stopfen, stopfen

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Der Bahnübergang in Kipsdorf ist geschafft. Dafür brauchte es Pickel aus Stahl.

07.11.2016 Von Carina Brestrich

stopfen, stopfen

Die Gleisstopfmaschine der Erfurter Gleisbau GmbH ist deutschlandweit unterwegs. Nachdem sie zuletzt in Köln und Münster im Einsatz war, verdichtete sie vergangenes Wochenende am Bahnübergang in Kipsdorf das Schotterbett.
© Frank Baldauf

Kipsdorf. Rein, kurz gerüttelt, wieder raus und weiter. Der gelbe Koloss rollt wenige Zentimeter nach vorn, zur nächsten Bahnschwelle. Dann beginnt die Gleisstopfmaschine mit ihrem Prozedere von vorn: Ein Haken greift die Schiene, hebt sie wenige Millimeter an, die stählernen Stopfpickel bohren sich in den Schotter, vibrieren – und fertig. Was simpel aussieht, ist Millimeterarbeit: Denn die Gleisstopfmaschine verdichtet nicht nur den Schotter unter den Bahnschwellen, sondern richtet auch die Gleise aus – damit die Weißeritztalbahn später ruckelfrei rollen kann.

Mit ihrem tonnenschweren Kollegen bleibt der Erfurter Gleisbau GmbH nur wenig Zeit. Rund 60 Meter lang ist der Abschnitt über die Bundesstraße B 170 in Kipsdorf. Am Montag muss die Straße wieder offen sein. Seit Freitag, 19 Uhr, hindert eine Sperrscheibe am Durchkommen. Noch am Abend haben die Bauarbeiter den Asphalt am Bahnübergang abgefräst, um Platz für die neuen Gleise zu machen. Die liegen seit Sonnabend früh. Seit fünf Uhr sind die Bauarbeiter im Einsatz. Später sollen noch die Schweißer kommen, um die Gleise miteinander zu verbinden. Der Asphalt hat sich für Sonntag angekündigt.

Viele Zuschauer

Was für die Profis Alltag ist, ist für Bahn-Fans Spannung pur: Am Gleisrand zücken immer wieder Beobachter den Fotoapparat. Einer von ihnen ist Stefan Müller. Der studierte Verkehrswirt verfasst eine Broschüre über den Wiederaufbau der Schmalspurbahn zwischen Dippoldiswalde und Kipsdorf. Jede Woche ist er draußen, um den Baufortschritt zu dokumentieren: „500 Fotos sind schon zusammengekommen“, erzählt er.

Jens Sauer bekommt von den Zuschauern nichts mit. Umgeben von Knöpfen, Hebeln und Tachos sitzt er am Steuerpult des gelben Kolosses, den Blick auf den Computerbildschirm gerichtet. Nach zwei Stopfdurchgängen ist es die alles entscheidende Messfahrt. Minuten später ist klar: Mensch und Maschine haben gute Arbeit geleistet, die Gleise liegen perfekt. Sauer hebt den Daumen: „Vom Feinsten – so soll es sein.“

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/stopfen-stopfen-stopfen-3534484.html

Bimmelbahnbau erreicht Kipsdorf

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Anfang November wird die B 170 noch einmal gesperrt. Wann die Strecke fertig wird, dazu gibt’s zwei Prognosen.

26.10.2016 Von Franz Herz

nbau erreicht Kipsdorf

Der Wasserkran steht wieder am Bahnhof Kipsdorf. Bald werden hier auch die Gleise liegen. Am ersten Novemberwochenende soll der Bahnübergang gebaut werden. Danach können die Arbeitszüge und die Gleisstopfmaschine auch den Bahnhof erreichen.

© Egbert Kamprath

René Bahling arbeitet hier beim Bahnsteigbau in Obercarsdorf. Im Hintergrund ist das neu gestrichene Empfangsgebäude zu sehen. Die Farben entsprechen den Vorgaben des Denkmalschutzes.

René Bahling arbeitet hier beim Bahnsteigbau in Obercarsdorf. Im Hintergrund ist das neu gestrichene Empfangsgebäude zu sehen. Die Farben entsprechen den Vorgaben des Denkmalschutzes.

© Egbert Kamprath

Eine Diessellok zieht einen Arbeitszug mit drei Schotterwagen am Bahnhof in Schmiedeberg vorbei. Bis hierher sind die Gleise fertig verlegt. Weiter bis Kipsdorf muss die Stopfmaschine noch arbeiten.

 Eine Diessellok zieht einen Arbeitszug mit drei Schotterwagen am Bahnhof in Schmiedeberg vorbei. Bis hierher sind die Gleise fertig verlegt. Weiter bis Kipsdorf muss die Stopfmaschine noch arbeiten.

© Egbert Kamprath

 

Kipsdorf.Der Wasserkran steht wieder auf dem Bahnhof in Kipsdorf, sandgestrahlt und frisch gestrichen. Ebenso ist der Turm mit der Stationsanzeige schon wieder an seinen Platz zurückgekehrt. Momentan fehlen auf dem Bahnhofsgelände noch die Gleise. Aber dafür müssen die Bauzüge erst einmal die B 170 überqueren können. Das wird erst im November möglich sein.

Denn am ersten Novemberwochenende steht der Bau des Bahnübergangs in Kipsdorf im Bauzeitenplan, informiert Mirko Froß, der Betriebsleiter der Weißeritztalbahn . Dafür wird die B 170 von Freitag, 4. November, bis Sonntag, 6. November, komplett gesperrt. Die Aktion in Kipsdorf läuft wie die Baustellen in Ulberndorf und Obercarsdorf, für welche die Bundesstraße im August bereits zweimal gesperrt worden ist.

Um den Bahnübergang zu bauen, wird die Gleisstopfmaschine benötigt. Diese war schon im Einsatz auf dem Streckenabschnitt bis Schmiedeberg. Zwischendurch wurde sie verladen und auf anderen Schmalspurstrecken eingesetzt in der Slowakei und in Frankreich, wie die IG Weißeritztalbahn informierte. Am 1. November kommt die Maschine wieder in Sachsen an und bringt dann noch die Bimmelbahngleise zwischen Schmiedeberg und Kipsdorf in die passende Form.

Nach wie vor ist die gesamte Strecke zwischen Dippoldiswalde und Kipsdorf eine Baustelle. Die Arbeiten sind aber unterschiedlich weit gediehen. Die Gleise von Dippoldiswalde bis Schmiedeberg sind fertig gebaut. Es laufen aber noch Nebenarbeiten. Die Bauarbeiter befestigen die Bahnsteige in Obercarsdorf oder verlegen Kabel für die Signale. Das sind zum großen Teil ganz normale Tiefbauarbeiten.

Der Gleisbau läuft nur noch zwischen Schmiedeberg und Kipsdorf, wo sich jetzt ohnehin die meisten Aktivitäten konzentrieren. Hier ist derzeit der Arbeitszug mit drei Schotterwagen unterwegs. Sie schütten das Gleisbett, auf dem auch schon die Schienen liegen. „Vor allem bereiten wir den Bau des Bahnübergangs vor“, sagt Froß.

Wetter entscheidend

Wenn der Übergang fertig ist, können auch Arbeitszüge die B 170 überqueren, dann werden dort auch die letzten Gleise im Bahnhof verlegt, die bisher noch fehlen. Jetzt muss aber erst einmal die Stopfmaschine wiederkommen, um die Gleise präzise auszurichten. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Wetter mitspielt. „Wenn baufreies Wetter bleibt, werden wir mit dem Bau bis Jahresende fertig“, sagt Froß. Sollte allerdings ein Wintereinbruch kommen, werden die Arbeiten gestoppt und die Baustelle geräumt. Dann geht es erst im Frühjahr weiter, wenn wieder zuverlässiges Bauwetter herrscht. Das Signal zum Baustopp kommt in dem Moment, wenn der erste Schnee fällt. Denn die Gleisstopfmaschine arbeitet mit Lasersensoren. „Schneeflocken würden die Strahlen reflektieren. Dann kann die Maschine nicht mehr präzise messen. Da würde vielleicht eine Achterbahn herauskommen“, sagt Froß. Er will aber ein sauber verlegtes Eisenbahngleis.

Und aufgrund dieser Unwägbarkeiten kann er momentan auch keinen Termin nennen, wann der erste fahrplanmäßige Zug von Dippoldiswalde bis Kipsdorf rollen wird. Fest steht, dass zum Kleinbahnadvent auf dem Streckenabschnitt oberhalb von Dippoldiswalde noch kein Personenzug rollt.

Auch in Kipsdorf bekommt der Bahnhof wieder sein vertrautes Gesicht. Vergangene Woche ist der Wasserkran wieder aufgestellt worden, ebenso der Turm für die Bahnhofsuhr.

In Kipsdorf gehen auch die Arbeiten am Lokschuppen planmäßig voran. „Hier fehlt nur noch die Fassade“, sagt Froß. Sie wird dann genauso gestaltet wie das Stellwerk in Kipsdorf und das Empfangsgebäude in Obercarsdorf: in den sächsischen Farben Gelb und Grün mit abgesetzten roten Elementen, wie den Fenstern und der Giebelverkleidung unter dem Dach.

„Diese Farbauswahl haben wir mit dem Denkmalschutz abgesprochen. Sie orientiert sich an Farben, die an den Gebäuden gefunden wurden“, berichtet der Betriebsleiter. Wobei verschiedene Generationen immer die Gebäude immer wieder einmal anders gestrichen haben. Es ist also schwierig zu sagen, was als original gilt. Nun müssen an den schönen Gebäuden nur möglichst bald auch regelmäßig Züge halten.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/bimmelbahnbau-erreicht-kipsdorf-3526355.html

Sorgenkind Schmalspurbahn

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Der Bau geht gut voran. Aber wie sollen künftig die Fahrten bezahlt werden? Die Antworten der Politiker.

15.09.2016 Von Franz Herz

d Schmalspurbahn
Hier fährt die Weißeritztalbahn nach Dippoldiswalde ein, vorbei am neuen Polypark. Der ist eine Attraktion, die auch Dipps als Ziel für Familien attraktiver macht, also zur Belebung der Bahn beiträgt. Derzeit hängen aber alle Planungen auch für touristische Angebote in der Luft, weil der Fahrplan für die komplette Bahnstrecke zwischen Freital und Kipsdorf noch nicht steht.

© Frank Baldauf

Dippoldiswalde.Die Bauarbeiten an der Schmalspurstrecke im Weißeritztal zwischen Dippoldiswalde und Kipsdorf machen täglich sichtbare Fortschritte. Die Arbeitszüge rollen inzwischen schon bis Schmiedeberg, wie Ralf Kempe, der örtliche Betriebsleiter der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft informierte. Es gibt keine Zweifel mehr, dass noch diesen Herbst die ersten Züge bis nach Kipsdorf hochdampfen können. Aber bisher weiß keiner, wie oft und wann diese Züge dampfen werden. Ein Fahrplan ist noch nicht bekannt. Wer jetzt seine Weihnachtsfeier plant und dabei gerne eine Zugfahrt nach Kipsdorf ins Programm einbauen will, steht auf dem Schlauch. Auch Reiseunternehmen, die jetzt über ihren Planungen für die nächste Saison sitzen, wissen nicht so recht weiter. Können Sie ihre Gäste hoch und runter mit dem Zug fahrenlassen? Müssen Sie diese in Kipsdorf mit dem Bus abholen? Alles Fragen, für die eine Antwort überfällig ist.

Teilweise hängen auch bestehende Angebote auf der Strecke zwischen Freital und Dippoldiswalde in der Luft. So ist in der Diskussion, dass der 15-Uhr-Zug von Dippoldiswalde zurück nach Freital wegfällt. Daran hängt aber Braumeisters Dampfzug, eine Sonderaktion, die gut angenommen wird. Deren Teilnehmer haben in der Regel noch das Museum in Dippoldiswalde besucht und in der Stadt noch etwas gegessen und getrunken. „Damit fehlen der Stadt zwischen 1 000 und 1 400 Besucher im Jahr“, schätzt der Dippoldiswalder Oberbürgermeister Jens Peter (Freie Wähler), der sich dabei auf Zahlen aus dem Museum stützt. „Mit einer derartigen Fahrplanänderung würde diese Tradition zunichte gemacht“, sagte Peter in der jüngsten Stadtratssitzung.

Nun ist die Schmalspurbahn seit Jahren ein Politikum, nicht nur wenn Spatenstiche und Brückeneinbauten zu feiern sind. Die entscheidende Frage dabei lautet immer: Wie wird der laufende Betrieb finanziert? Daher fragte die Sächsische Zeitung einmal Landtagsabgeordnete aus der Weißeritzregion nach ihren Vorschlägen für die Weißeritztalbahn. Die SZ wollte wissen, was tun die Politiker als Abgeordnete der Region dafür, dass die Weißeritztalbahn einen für die Bürger sinnvollen und touristisch attraktiven Fahrplan erhält. Dazu wurden sie gefragt, was ihrer Meinung nach andere dafür tun sollten, um die Bahnstrecke zu beleben und attraktiv zu gestalten. Unten lesen Sie die Antworten der Politiker.

Das sagt die Politik

 

© Egbert Kamprath

Andrea Dombois, CDU

Die Situation der Weißeritztalbahn ist seit Monaten Gegenstand vieler Gespräche gewesen. Gerade die Diskussion um fehlende Gelder, die nun vom Land ausgeglichen werden sollen, wäre einen Artikel für sich wert, da die Wenigsten von den bereits bestehenden Zahlungen, Problemen gegenüber dem Rechnungshof in der Umsetzung der Finanzierung und vielen weiteren Hemmnissen wissen. Auch ist es nicht möglich, über die Aktivitäten vieler Freunde der Bahn, mit denen ich regelmäßig in Verbindung stehe, und die vielen Kompromisse durch das Land eine Aussage zu treffen. Ich bedaure das, weil am Ende immer nur Aussagen bleiben, dass angeblich die Bahn gefährdet ist.

 

 

© Andreas Weihs

Verena Meiwald, Linke

Im Kreistag hat meine Fraktion den Wirtschafts- und Vergabeausschuss um den Bereich Tourismus erweitern lassen, damit verstärkt auf diesen geschaut wird und Maßnahmen entwickelt werden können. Unser Vertreter im Verkehrsverbund wird dafür streiten, dass es einen attraktiven Fahrplan geben wird und dass keine bestehenden Angebote wegbrechen werden.
Es ist der Freistaat gefordert, er muss die vom Bund zur Verfügung gestellten Regionalisierungsmittel für den Schienenverkehr auch vollständig an die Verkehrsverbünde weitergeben. Dies fordern wir als Linksfraktion im Landtag seit langem, jedoch verwendet der Freistaat einen Teil dieser Mittel für anderes.Die Weißeritztalbahn hat keine rein touristische Nutzung, sieist Teil des ÖPNV. Daher muss der Fahrplan gegenüber dem vorliegenden Entwurf erweitert werden.

 

 

© SZ

Dagmar Neukirch, SPD

Der Wiederaufbau ist ein großer Erfolg. Für die Fertigstellung bis Kipsdorf sollen laut Regierungsentwurf 2017 insgesamt 3,5 Millionen Euro bereitgestellt werden. Zudem gewährt der Freistaat „Betriebshilfen für Der Wiederaufbau ist ein großer Erfolg. Für die Fertigstellung bis Kipsdorf sollen laut Regierungsentwurf 2017 insgesamt 3,5 Millionen Euro bereitgestellt werden. Zudem gewährt der Freistaat „Betriebshilfen für Schmalspurbahnen“, Zuschüsse für den Betrieb in Höhe von 8,75 Mio. Euro jährlich, dazu Gelder für Instandsetzung, Wartung und Pflege. Die Weißeritztalbahn besitzt vor allem eine hohe touristische Bedeutung. Deshalb müssen wir versuchen, Unterstützung aus der Tourismusförderung zu erhalten. Daran arbeiten wir. Hier erwarte ich auch regionale Aktivitäten. Letztlich müsse sich der Landkreis mit der Tourismuswirtschaft und den Kommunen darüber verständigen.

 

 

© Frank Baldauf

André Barth, AfD

Bei unserem sächsischen Schmalspurbahnnetz handelt es sich um ein einmaliges Kulturgut von hohem Wert. Es ist uns daher ein Anliegen, dieses zu erhalten und für Touristen wieder attraktiver zu machen. Durch die Weißeritztalbahn soll auch Kipsdorf touristisch wiederbelebt werden. Finanzielle Mittel zur sinnvollen und attraktiven Ausgestaltung des Fahrplans müssen durch die Staatsregierung und den Landkreis ausreichend zur Verfügung gestellt werden. Da dies im Entwurf zum nächsten Doppelhaushalt auf Landesebene nicht der Fall ist, werde ich in der AfD-Landtagsfraktion und auch als Kreisrat dafür kämpfen, dass wir hierzu einen Änderungsantrag einbringen.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/sorgenkind-schmalspurbahn-3494480.htm

Die ersten neuen Gleise liegen schon

sz-online.de | Sachsen im Netz

Noch kann die Weißeritztalbahn nicht bis Kipsdorf fahren. Jetzt kommen Spezialtechnik – und Sperrungen der B 170.

13.07.2016 Von Franz Herz

http://www.sz-online.de/nachrichten/bilder/bei-ulberndorf-liegen-schon-die-neuen-gleise-daniel-schwarz-1774607h.jpg

Bei Ulberndorf liegen schon die neuen Gleise. Daniel Schwarz, Gleisbauer aus Dohna, zieht hier die Schwellen für die Schienen fest.

© Frank Baldauf

Dippoldiswalde. Wer von Dippoldiswalde in Richtung Obercarsdorf fährt, kann schon ein Stück wiederaufgebaute Weißeritztalbahn sehen. Auf einem großen Abschnitt liegen die Schwellen und Gleise schon wieder. Aber im jetzigen Zustand kann darauf noch kein Zug fahren.

In der kommenden Woche soll die Gleisstopfmaschine anrollen. Ein Wendepunkt im Baugeschehen. Bisher waren auf der gesamten Strecke Straßenbaumaschinen eingesetzt. „Mit dem Einsatz der Stopfmaschine wird das Thema Arbeitszüge aktuell“, sagt Mirko Froß, der als Betriebsleiter bei der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft für die Baustelle verantwortlich ist. Bisher sind auf der Baustelle Bagger und Lkws wie auf einer normalen Straßenbaustelle zugange. Die Stopfmaschine dagegen fährt nicht auf Gummirädern, sondern auf Gleisen. Es ist eine komplexe Maschine, die zwei wichtige Arbeitsschritte erledigt. Erstens nimmt sie die Schienen, die jetzt schon auf die Schwellen gelegt sind, auf und richtet sie exakt aus. Sowohl die Höhe als auch die Richtung müssen stimmen. Dafür ist in der Stopfmaschine moderne Vermessungstechnik eingebaut. Wenn die Gleise ihre Position haben, kommt der zweite Schritt. Dann wird das Schotterbett darunter gestopft.

Auch beim Lokschuppen geht’s voran

Der Grundschotter liegt auf weiten Streckenabschnitten jetzt schon. Wenn die Schienen ausgerichtet sind, wird aus dem Wagen der sogenannte Gleisschotter dazugeschüttet und mit einem Rüttler verdichtet. Dessen Vibrationen lassen die Steine so zusammenrutschen, dass das Gleisbett fest wird. Die Gleisstopfmaschine wird in Dippoldiswalde mit ihrer Arbeit beginnen und sich dann nach oben in Richtung Kipsdorf vorarbeiten. Wenn sie dann die B  170 überquert – erst in Ulberndorf, später vor Obercarsdorf und schließlich in Kipsdorf –, wird an diesen Tagen die Bundesstraße gesperrt werden müssen. Das gilt auch für die verschiedenen Grundstückszufahrten und kleineren Straßen, über die das Bahngleis verläuft. Die genauen Termine dafür sind noch nicht bekannt. Voraussichtlich Anfang August wird die Bundesstraße zum ersten Mal gesperrt, kündigt Froß an.

Mit dem bisherigen Baufortschritt ist Froß zufrieden. Auf der gesamten Strecke zwischen Dippoldiswalde und dem Endbahnhof in Kipsdorf geht es voran. In Kipsdorf am Bahnhof wird derzeit die Entwässerung gebaut. Die verschwindet zwar in der Erde, ist aber für eine funktionierende Bahnstrecke absolut wichtig. „Wenn wir Wasser im Bahnkörper haben und das gefriert, dann hebt es die Gleise an“, schildert Froß. Für ihn als Eisenbahningenieur wäre das ein Albtraum. Darum sind die Entwässerungsleitungen mit das Wichtigste beim gesamten Bahnbau, nicht nur im Bahnhof, sondern auf der gesamten Strecke. Dort ist deren Einbau weitgehend schon erledigt.

In Kipsdorf laufen noch mehrere Arbeiten links und rechts der Gleise. So sind die Bahnhofsuhr und der Wasserkran derzeit bei einem Metallbauer in der Werkstatt. Der bringt sie auf Vordermann. Sie kommen dann wieder auf den Bahnhof, wenn der Bau so weit fortgeschritten ist, dass sie auch wieder benötigt werden.

Ebenfalls Fortschritte macht in Kipsdorf die Sanierung des Lokschuppens. Hier waren die Dachdecker auf dem Gebäude. Der Giebel wurde neu hochgemauert. Eine Brücke oberhalb von Schmiedeberg ist auch noch in Arbeit. Die anderen sind schon alle fertig.

Mirko Froß, Betriebsleiter der Weißeritztalbahn, steht auf der Baustelle in Obercarsdorf. Hier laufen noch die Erdarbeiten für die künftige Bahntrasse. Weiter unten sind die Arbeiten bereits ein Stück weiter.

Mirko Froß, Betriebsleiter der Weißeritztalbahn, steht auf der Baustelle in Obercarsdorf. Hier laufen noch die Erdarbeiten für die künftige Bahntrasse. Weiter unten sind die Arbeiten bereits ein Stück weiter. © Frank Baldauf

Der Baufortschritt ist unterschiedlich. Oberhalb von Schmiedeberg wird noch eine Brücke betoniert. Roland Hähnel und Robby Pranzer schalen eine Wand dafür.

Der Baufortschritt ist unterschiedlich. Oberhalb von Schmiedeberg wird noch eine Brücke betoniert. Roland Hähnel und Robby Pranzer schalen eine Wand dafür. © Frank Baldauf

Und oberhalb davon, am Ortsausgang Richtung Obercarsdorf, schichtet Josef Birno Steine in den Drahtkäfig einer Gabione, die das Gleisbett sichert.

Und oberhalb davon, am Ortsausgang Richtung Obercarsdorf, schichtet Josef Birno Steine in den Drahtkäfig einer Gabione, die das Gleisbett sichert. © Frank Baldauf

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