Das Lokal mit Bimmelbahnblick

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Zwei junge Männer haben einem leeren Geschäft im Osterzgebirge neues Leben eingehaucht – und noch viel mehr vor.

16.09.2016 Von Mandy Schaks

 mit Bimmelbahnblick

Ricardo Lammel (li.) betreibt mit Unterstützung von Raiko Kania das R 2 Café & Bar in Kipsdorf. Die Anfangsbuchstaben der Vornamen der beiden Freunde gaben dem Lokal den Namen. Nun hoffen sie, dass die Ankunft der Weißeritztalbahn ihnen weitere Gäste bringt.

© Frank Baldauf

Im Bahnhof in Kipsdorf engagieren sie sich schon …

Im Bahnhof in Kipsdorf engagieren sie sich schon …

© Kamprath

… jüngst beim Bahnhofsfest.

… jüngst beim Bahnhofsfest.

© Kamprath

Kipsdorf.Wer auf der Bundesstraße B 170 durch Kipsdorf fährt, dem fällt sofort auf: Es kommt Farbe in den Ort. Die Fassade vom R 2, einem Café mit Bar, leuchtet in mediterranen Tönen. Inhaber Ricardo Lammel ist dem Vermieter, der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Altenberg mbH, dankbar, dass dieser investiert hat. Um nicht im Grau in Grau übersehen zu werden, hatte Lammel vorm Haus schon eine Info-Tafel aufgestellt, damit Gäste auch draußen erahnen, wie hübsch es drinnen ist und sie sich guten Gewissens hineintrauen können. „Das sieht nun nach der Renovierung gleich ganz anders aus“, sagt er.

Seit der Eröffnung vor zwei Jahren im April ist peu à peu eins ums andere dazugekommen: die rustikale Terrasse, die Imbisshütte im Eingangsbereich und neuerdings noch das Engagement nur wenige Meter von der eigenen Lokalität entfernt im Kipsdorfer Bahnhof. Den hatte die Stadt Altenberg nach der Wende gekauft und zu einem Bürgerhaus umgebaut. Dort bewirtschaftet er seit diesem Jahr auch noch die Kegelbahn und hat im Bahnhof inzwischen bereits eine 90er-Jahre-Party veranstaltet. Vom Erfolg war er selbst überrascht, wie er lächelnd erzählt. Um die 200 Leute waren gekommen – fast so viele, wie im Kurort leben. „Ich hätte nicht mit so vielen Leuten gerechnet“, freut sich der 27-Jährige. Das gibt ihm Mut, mehr zu wagen, Ideen zu spinnen, was man alles noch machen könnte. Ein Bistro vielleicht im Bahnhof? Veranstaltungen am Wochenende mit Kinderkarussell und Zauberer auf dem Bahnhofsplatz? Unterstützt wird er dabei von Freund Raiko Kania. Es ist wichtig, sich gerade jetzt ein paar Gedanken mehr zu machen. Denn die Weißeritztalbahn ist auf dem Weg nach Kipsdorf. „Wir wissen zwar noch nicht, wann sie kommt“, sagt der 35-Jährige. „Aber wir planen jetzt schon mit dem Ortschaftsrat, was wir machen können, wenn die Bahn einrollt.“ Zur Wiedereröffnung nach der Flut 2002 soll auf jeden Fall was los sein auf dem Bahnhof.

Dabei spielte die Bimmel bei den Planungen fürs eigene Lokal gar keine Rolle, erzählt Ricardo Lammel. Der gebürtige Kleinopitzer ist zwar mit der Bahn als Kind auch durch den Rabenauer Grund gerollt. „Aber ich kenne das gar nicht, wie der Zug hier in Kipsdorf einfährt.“ Es war schon immer sein Wunsch, in der Gastronomie zu arbeiten. Er lernte Restaurantfachmann im Hotel Stephanshöhe in Schellerhau und bekam danach die Chance, an der Bar zu arbeiten. Das gefiel ihm. Dann ergab es sich, in die Selbstständigkeit zu wechseln. „Wir wollten versuchen, was Neues zu machen.“

Als Raiko Kania zum ersten Mal den heutigen Gastraum sah, hatte er sich sofort darin verliebt, erinnert er sich. Früher war hier einmal das Kurhauscafé, später ein Textil- und Holzkunstgeschäft, weiß Ricardo Lammel. Dann stand der Laden leer. Aus Erfahrung wusste er: „Nach dem Feierabend hat man hier nichts, wo man noch hingehen kann.“ Hotels und Gaststätten haben meist nur bis 21 oder 22 Uhr geöffnet. Diese Angebotslücke wollte er schließen – mit Café und Bar. Daher verwundert es nicht, wenn zu seinen Stammgästen inzwischen auch Gastronomen gehören. Die Gäste werden bei ihm in der ersten Reihe sitzen, wenn die Weißeritztalbahn einrollt. Das Lokal liegt direkt vis-à-vis der Bahn.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/das-lokal-mit-bimmelbahnblick-3495092.html

Sorgenkind Schmalspurbahn

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Der Bau geht gut voran. Aber wie sollen künftig die Fahrten bezahlt werden? Die Antworten der Politiker.

15.09.2016 Von Franz Herz

d Schmalspurbahn
Hier fährt die Weißeritztalbahn nach Dippoldiswalde ein, vorbei am neuen Polypark. Der ist eine Attraktion, die auch Dipps als Ziel für Familien attraktiver macht, also zur Belebung der Bahn beiträgt. Derzeit hängen aber alle Planungen auch für touristische Angebote in der Luft, weil der Fahrplan für die komplette Bahnstrecke zwischen Freital und Kipsdorf noch nicht steht.

© Frank Baldauf

Dippoldiswalde.Die Bauarbeiten an der Schmalspurstrecke im Weißeritztal zwischen Dippoldiswalde und Kipsdorf machen täglich sichtbare Fortschritte. Die Arbeitszüge rollen inzwischen schon bis Schmiedeberg, wie Ralf Kempe, der örtliche Betriebsleiter der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft informierte. Es gibt keine Zweifel mehr, dass noch diesen Herbst die ersten Züge bis nach Kipsdorf hochdampfen können. Aber bisher weiß keiner, wie oft und wann diese Züge dampfen werden. Ein Fahrplan ist noch nicht bekannt. Wer jetzt seine Weihnachtsfeier plant und dabei gerne eine Zugfahrt nach Kipsdorf ins Programm einbauen will, steht auf dem Schlauch. Auch Reiseunternehmen, die jetzt über ihren Planungen für die nächste Saison sitzen, wissen nicht so recht weiter. Können Sie ihre Gäste hoch und runter mit dem Zug fahrenlassen? Müssen Sie diese in Kipsdorf mit dem Bus abholen? Alles Fragen, für die eine Antwort überfällig ist.

Teilweise hängen auch bestehende Angebote auf der Strecke zwischen Freital und Dippoldiswalde in der Luft. So ist in der Diskussion, dass der 15-Uhr-Zug von Dippoldiswalde zurück nach Freital wegfällt. Daran hängt aber Braumeisters Dampfzug, eine Sonderaktion, die gut angenommen wird. Deren Teilnehmer haben in der Regel noch das Museum in Dippoldiswalde besucht und in der Stadt noch etwas gegessen und getrunken. „Damit fehlen der Stadt zwischen 1 000 und 1 400 Besucher im Jahr“, schätzt der Dippoldiswalder Oberbürgermeister Jens Peter (Freie Wähler), der sich dabei auf Zahlen aus dem Museum stützt. „Mit einer derartigen Fahrplanänderung würde diese Tradition zunichte gemacht“, sagte Peter in der jüngsten Stadtratssitzung.

Nun ist die Schmalspurbahn seit Jahren ein Politikum, nicht nur wenn Spatenstiche und Brückeneinbauten zu feiern sind. Die entscheidende Frage dabei lautet immer: Wie wird der laufende Betrieb finanziert? Daher fragte die Sächsische Zeitung einmal Landtagsabgeordnete aus der Weißeritzregion nach ihren Vorschlägen für die Weißeritztalbahn. Die SZ wollte wissen, was tun die Politiker als Abgeordnete der Region dafür, dass die Weißeritztalbahn einen für die Bürger sinnvollen und touristisch attraktiven Fahrplan erhält. Dazu wurden sie gefragt, was ihrer Meinung nach andere dafür tun sollten, um die Bahnstrecke zu beleben und attraktiv zu gestalten. Unten lesen Sie die Antworten der Politiker.

Das sagt die Politik

 

© Egbert Kamprath

Andrea Dombois, CDU

Die Situation der Weißeritztalbahn ist seit Monaten Gegenstand vieler Gespräche gewesen. Gerade die Diskussion um fehlende Gelder, die nun vom Land ausgeglichen werden sollen, wäre einen Artikel für sich wert, da die Wenigsten von den bereits bestehenden Zahlungen, Problemen gegenüber dem Rechnungshof in der Umsetzung der Finanzierung und vielen weiteren Hemmnissen wissen. Auch ist es nicht möglich, über die Aktivitäten vieler Freunde der Bahn, mit denen ich regelmäßig in Verbindung stehe, und die vielen Kompromisse durch das Land eine Aussage zu treffen. Ich bedaure das, weil am Ende immer nur Aussagen bleiben, dass angeblich die Bahn gefährdet ist.

 

 

© Andreas Weihs

Verena Meiwald, Linke

Im Kreistag hat meine Fraktion den Wirtschafts- und Vergabeausschuss um den Bereich Tourismus erweitern lassen, damit verstärkt auf diesen geschaut wird und Maßnahmen entwickelt werden können. Unser Vertreter im Verkehrsverbund wird dafür streiten, dass es einen attraktiven Fahrplan geben wird und dass keine bestehenden Angebote wegbrechen werden.
Es ist der Freistaat gefordert, er muss die vom Bund zur Verfügung gestellten Regionalisierungsmittel für den Schienenverkehr auch vollständig an die Verkehrsverbünde weitergeben. Dies fordern wir als Linksfraktion im Landtag seit langem, jedoch verwendet der Freistaat einen Teil dieser Mittel für anderes.Die Weißeritztalbahn hat keine rein touristische Nutzung, sieist Teil des ÖPNV. Daher muss der Fahrplan gegenüber dem vorliegenden Entwurf erweitert werden.

 

 

© SZ

Dagmar Neukirch, SPD

Der Wiederaufbau ist ein großer Erfolg. Für die Fertigstellung bis Kipsdorf sollen laut Regierungsentwurf 2017 insgesamt 3,5 Millionen Euro bereitgestellt werden. Zudem gewährt der Freistaat „Betriebshilfen für Der Wiederaufbau ist ein großer Erfolg. Für die Fertigstellung bis Kipsdorf sollen laut Regierungsentwurf 2017 insgesamt 3,5 Millionen Euro bereitgestellt werden. Zudem gewährt der Freistaat „Betriebshilfen für Schmalspurbahnen“, Zuschüsse für den Betrieb in Höhe von 8,75 Mio. Euro jährlich, dazu Gelder für Instandsetzung, Wartung und Pflege. Die Weißeritztalbahn besitzt vor allem eine hohe touristische Bedeutung. Deshalb müssen wir versuchen, Unterstützung aus der Tourismusförderung zu erhalten. Daran arbeiten wir. Hier erwarte ich auch regionale Aktivitäten. Letztlich müsse sich der Landkreis mit der Tourismuswirtschaft und den Kommunen darüber verständigen.

 

 

© Frank Baldauf

André Barth, AfD

Bei unserem sächsischen Schmalspurbahnnetz handelt es sich um ein einmaliges Kulturgut von hohem Wert. Es ist uns daher ein Anliegen, dieses zu erhalten und für Touristen wieder attraktiver zu machen. Durch die Weißeritztalbahn soll auch Kipsdorf touristisch wiederbelebt werden. Finanzielle Mittel zur sinnvollen und attraktiven Ausgestaltung des Fahrplans müssen durch die Staatsregierung und den Landkreis ausreichend zur Verfügung gestellt werden. Da dies im Entwurf zum nächsten Doppelhaushalt auf Landesebene nicht der Fall ist, werde ich in der AfD-Landtagsfraktion und auch als Kreisrat dafür kämpfen, dass wir hierzu einen Änderungsantrag einbringen.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/sorgenkind-schmalspurbahn-3494480.htm

Bimmel soll den Wandertourismus ankurbeln

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Bald rollt die Schmalspurbahn nach Kipsdorf. Der Regionalwanderwegewart sieht Chancen fürs Müglitztal.

01.09.2016 Von Maik Brückner

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Dippoldiswalde. Mit großem Interesse verfolgt Regionalwanderwegewart Gunter Fichte den Wiederaufbau der Weißeritztalbahn zwischen Dippoldiswalde und Kipsdorf. Dem Tourismus im Osterzgebirge kann sie gut tun, findet er. Allerdings wird die Region nur davon profitieren, wenn den Bahnfahrern verschiedene Angebote gemacht werden. Das weiß man auch beim Tourismusverband Erzgebirge. Dort wird gegenwärtig an einer Freizeitkarte gearbeitet, auf der die Angebote aufgelistet werden, erklärt Anke Eichler vom Tourismusverband.

In Schmiedeberg sei das zum Beispiel der Kreativbahnhof, das Schulmuseum, die George-Bähr-Kirche und der Aussichtsturm Ottos Eck im Ortsteil Naundorf, in Obercarsdorf der Land- und Forsthof Göbel und der Quadverleih. Auch Sehenswürdigkeiten, die gut zu Fuß erreichbar sind, tauchen im Entwurf der Karte auf. Darüber hinaus hat der Tourismusverband geprüft, wie die Weißeritztalbahn mit der Müglitztalbahn und den Hotels im Oberen Osterzgebirge gekoppelt werden kann. Die Verbindung zwischen der Endstation der Bimmel in Kipsdorf mit dem Endbahnhof der Müglitztalbahn in Altenberg könnte die „Altenberger Bimmelbahn“, einer auf Rädern fahrenden Tourismusbahn, herstellen. Die Touristenbahn ist auf jeden Fall eines der „Prioritätenprojekte“, sagt Eichler.

Gunter Fichte begrüßt die Aktivitäten des Tourismusverbandes. Allerdings greifen ihm die Gedanken zu kurz. Ihm fehlt die touristische Vernetzung der Täler. Die könnte über naturnahe Wanderwege erfolgen. Alte Steigen und naturbelassene Pfade bieten sich dafür an. Neu sei die Idee nicht, sagt er. Vorbilder kenne man aus der Schweiz, Österreich und Bayern. Dort sei es gelungen, das Wandern zu einem Erlebnis zu machen. Auch im Osterzgebirge sieht er Potenzial, dass leider noch ungenutzt sei.

Wanderwege haben Potenzial

„Viele romantische und lukrative naturbelassene Wege sind in den Wanderkarten mit Farbsymbolen gar nicht oder nicht mehr gekennzeichnet“, sagt er. Oftmals werden Wanderwege mit Hinweisen auf die Gefahr von Totholz kurzerhand gesperrt und die Wanderer auf eben wirtschaftlich relevante Wanderoptionen gezwungen. Damit meint er asphaltierte oder geschotterte Wege. „Und so verliert der Reiz für die wiedererstarkende Wander-idee – auch unter dem Aspekt neuer Trendsportarten – in zunehmendem Maße.“

Doch der Obercunnersdorfer will nicht nur kritisieren. Er hat sich mögliche Querverbindungen angeschaut und diese dem Tourismusverband gemeldet. Die eine verbindet die Haltestelle Schmiedeberg-Buschmühle im Weißeritztal mit Glashütte im Müglitztal und kann auch als Radtour geplant werden. Sie führt über den Wasserweg zur Ausflugsgaststätte Bretthäusel, zum mächtigen Hochwasserrückhaltebecken und zum Uhrenmuseum Glashütte. Für Fichte sind das lohnenswerte Ziele.

Anke Eichler ist dankbar für solche Hinweise. Konkret planen will sie das mit der Stadt Glashütte. Ein erstes Gespräch mit der Leiterin des Glashütter Tourismusbüros, Bianca Braun, gab es bereits. Frau Braun möchte das Thema mit ihren Wanderwegewarten besprechen, sagt sie auf Nachfrage. Das sei im Herbst geplant.

Doch nicht nur in der Verbindung zum Müglitztal sieht Fichte Chancen für eine erfolgreiche Wiederaufnahme des Bahnverkehrs am oberen Streckenverlauf. Auch durch das Pöbeltal zur Freiberger Eisenbahn nach Holzhau kann man Kreisläufe zur Belebung des Osterzgebirges erschließen, sagt Fichte. Und auch das Böhmische Becken in Betracht ziehen. Doch auch diese Optionen funktionieren nur, wenn die Weißeritztalbahn wenigstens zwei Mal am Tag bis Kipsdorf fährt.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/bimmel-soll-den-wandertourismus-ankurbeln-3482256.html

Wird die Schmalspurbahn kleingespart?

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Der Entwurf für den neuen Fahrplan bietet weniger Zugkilometer – auf längerer Strecke. Eine Rechnung mit Tücken.

01.09.2016 Von Franz Herz

Schmalspurbahn kleingespart?
Zugführerin Kerstin Pohlmann gibt hier am Bahnhof in Dippoldiswalde das Abfahrtssignal für die Weißeritztalbahn. Dieser Zug fährt zurück nach Freital, das ist klar. Unklar ist, wohin Reise mit der Weißeritztalbahn insgesamt geht. Der neue Fahrplan und die Finanzierung sind in der Diskussion.

© Frank Baldauf

Freital. Der Bau der Bahnstrecke von Dippoldiswalde nach Kipsdorf geht zügig voran. Jedoch sind noch viele Fragen offen. Sie betreffen die künftige Nutzung der Strecke. Ein wichtiger Punkt, über den derzeit diskutiert wird, ist die Gestaltung des Fahrplans und deren Konsequenzen. Der Verkehrsverbund Oberelbe ist für die Bestellung der Züge für die Strecke verantwortlich. Im Juni hat der Verbund einen Diskussionsentwurf für den neuen Fahrplan veröffentlicht. Demnach fahren zweimal am Tag Züge von Freital nach Dipps und zurück und einmal bis hoch nach Kipsdorf und zurück. Bisher rollen fünf Züge am Tag bis nach Dippoldiswalde.

Diesen Entwurf hat sich Uwe Berthold näher angesehen. Der Dresdner hat sich beruflich schon mit dem Nahverkehr befasst, wie er sagt, und er hat die vorgesehenen Fahrten zusammengezählt. Danach fährt die Bahn derzeit im Jahr rund 60 300 Zugkilometer. Da hat er die Sperrpause im November mit eingerechnet. Nach dem vorgestellten Fahrplanentwurf würden künftig weniger Kilometer gefahren, obwohl ein Zug am Tag bis hoch nach Kipsdorf rollen soll. Berthold kommt auf 37 520 Zugkilometer, also eine deutlich geringere Streckenleistung als bisher. Selbst wenn an allen Wochenenden zwei Züge bis nach Kipsdorf rollen, werden seiner Rechnung nach weniger Kilometer gefahren.

Berthold will auch die höheren Kosten für die längere Strecke samt der Infrastruktur, die dazugehört, nicht als Argument gelten lassen. „Die Bahnstrecke wird ja jetzt völlig neu aufgebaut. Da treten zumindest am Anfang ja keine Kosten auf“, sagt er. Er stellt die Frage: Werden hier Leistungen gekürzt oder profitiert der Betreiber, weil er bei gleichbleibenden Zuschüssen weniger Leistung anbietet?

Diese Rechnung wollen aber weder der Verkehrsverbund Oberelbe noch die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft akzeptieren. In die Kalkulation spielen viele andere Faktoren mit hinein, argumentieren beide Partner. Die Dampfeisenbahngesellschaft betreibt die Bahnstrecke. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist Eigentümer von Grund und Boden der Bahnstrecke, hat diese aber vertraglich in einer Art Generalpacht an die Eisenbahngesellschaft übergeben. Da die Strecke im Weißeritztal zum Nahverkehr zählt, ist auch der Verkehrsverbund mit im Boot, wenn es darum geht, welche Leistungen hier angeboten werden.

„Man muss die Gesamtrechnung sehen mit all ihren Betriebskosten für Instandhaltung und Wartung“, sagt Roland Richter, der Geschäftsführer der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft. Die Zugkilometer allein aufzurechnen, gebe kein vollständiges Bild. Es sei auch noch zu früh für derartige Berechnungen, weil der Fahrplan noch gar nicht feststeht. Darüber laufen derzeit intensive Gespräche. Christian Schlemper, der Pressesprecher des Verkehrsverbunds Oberelbe, ergänzt, dass ja über das tägliche und das Wochenendangebot hinaus auch zusätzliche Fahrten an Feiertagen, zu Festivals und anderen Veranstaltungen mit einberechnet werden müssten. So erhöht sich also die Zahl der Zugkilometer. Eventuell ist auch der Einsatz eines zweiten Zuges erforderlich, um die Fahrten bis Kipsdorf abzusichern. Das bringt Kosten für Abschreibung, Wartung und Instandhaltung. Außerdem gehört dazu auch Personal. Diese Kosten werden derzeit berechnet, so Schlemper.

Auch wenn die Strecke jetzt neu ist, bringt ihr Unterhalt dennoch Kosten mit sich. Das Reinhalten der Haltepunkte, das Freihalten von Unkraut, Sicherheitsüberprüfungen fallen auch bei einer neugebauten Strecke an. Dieser Aufwand ist in weiten Teilen unabhängig davon, wie oft ein Zug fährt. Endgültige Klarheit bringt der neue Fahrplan. Der muss möglichst bald veröffentlicht werden, nicht erst, wenn die ersten Züge schon fahren.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/wird-die-schmalspurbahn-kleingespart-3481653.html

Postwagen 2960 verlässt die Weißeritztalbahn

in seine neue Heimat Zittau. Nachdem die IG Weißeritztalbahn e.V. den Wagenkasten im Jahr 2003 vom Bahndamm der Hauptstrecke geborgen und lange nach einer weiteren Verwendung gesucht hatte, ergab sich die Möglichkeit zur Abgabe an den IV Zittauer Schmalspurbahnen e.V. (ds)

Weißeritztalbahn wird teurer

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Die Fahrpreise steigen ab 1. November dieses Jahres. Es gibt aber eine Ausnahme.

17.08.2016 Von Mandy Schaks

talbahn wird teurer
Die einfach Fahrt kostet bei Preisstufe 1 ab November 2,30Euro; Preisstufe 2: 4,60 Euro, Stufe 3: 6,40 Euro, Stufe 4: 7,90 Euro und Stufe 5: 12,20 Euro.

© Quelle: SDG

Die Weißeritztalbahn ist noch nicht in Kurort Kipsdorf angekommen, da werden die Fahrpreise erhöht. „Wir müssen die Tarife im November anpassen“, sagt Roland Richter, Geschäftsführer der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft. „Das haben wir zwei Jahre nicht gemacht.“ Nun käme sein Unternehmen nicht mehr umhin. Als Grund nannte er steigende Kosten bei Personal und Betrieb. So wird es zwischen Freital-Hainsberg und Kurort Kipsdorf fünf verschiedene Preisstufen geben. Die einfache Fahrt zwischen Freital-Hainsberg und Dippoldiswalde wird demnach um 20 Cent auf 7,90 Euro erhöht. Für Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren kostet es vier Euro, also 10 Cent mehr. Wer von Dipps bis Kipsdorf fährt, zahlt ebenfalls Preisstufe 4, also 7,90 Euro. Für Hin- und Rückfahrt werden auf diesen Teilstrecken jeweils 15 Euro fällig und damit 40 Cent mehr als bisher. Kinder zahlen 7,60 Euro. Das sind 20 Cent mehr im Vergleich zum gültigen Tarif.

Die einfache Fahrt für die große Tour von Freital-Hainsberg nach Kipsdorf kostet mit der Bimmelbahn 12,20 Euro, für Kinder die Hälfte. Für die Hin- und Rückfahrt müssen Erwachsene 23 Euro entrichten, Kinder 11,50 Euro. Es gibt auch eine gute Nachricht für die Fahrgäste. Die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft bietet weiterhin ein sogenanntes SDG-Kombiticket an. Das gilt nicht nur für die Weißeritztalbahn, sondern auch für die Fichtelbergbahn und die Lößnitzgrundbahn. Das Ticket beinhaltet zehn Einzelfahrten. Und diese Preise werden stabil bleiben. Erwachsene zahlen für das Kombiticket 50 Euro, Kinder die Hälfte.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/weisseritztalbahn-wird-teurer-3470141.html

Genauere Informationen zu den Tarifen ab 01.11.2016 finden Sie bei der SDG ->

„Wir brauchen mehr als einen Zug pro Tag“

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Der Chef der Weißeritztalbahn ist mit dem Baufortschritt nach Kipsdorf zufrieden. Nun hat er ein anderes Problem.

18.08.2016 Von Mandy Schaks

chen mehr als einen Zug pro Tag“

Die Freude war im Dezember 2008 groß. Die Weißeritztalbahn konnte nach der Flut wieder zwischen Dippoldiswalde und Freital rollen. Derzeit wird der zweite Abschnitt gebaut. Wie viel Dampf dort möglich ist, macht Richter große Sorgen.

© Frank Baldauf

Dippoldiswalde/ Freital. Roland Richter ist kein Mann, der öffentlich Dampf ablässt. Das überlässt er seinen Maschinen. Richter ist Herr der Weißeritztalbahn und so gerade der heimliche Star im Osterzgebirge. Jedes Stück Gleis, das Richtung Kipsdorf verlegt wird, macht Anwohner und Bahnliebhaber geradezu euphorisch. 14 Jahre nach der Flut bringt Richter den Erzgebirglern ihre geliebte Bimmel zurück. Was viele aber gar nicht ahnen: Dem Chef der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft steht wohl noch das schwerste Stück bevor. Er weiß nicht, wie er die Dampfrösser am Ende nach Kipsdorf bringen soll – ohne zusätzliches Geld für den Bahnbetrieb. Richter hat Druck.

Mit dem Baufortschritt ist er zufrieden. „Die Firmen arbeiten gut und straff hintereinander weg“, lobt er. „Wir liegen im Zeitplan.“ Er geht davon aus, dass der Wiederaufbau des zweiten Bauabschnittes im vierten Quartal abgeschlossen werden kann, spätestens zum Jahresende. Im Frühjahr, zur Pflanzzeit, sollen noch Restarbeiten folgen. „Dann kommt der letzte optische Schliff, die Begrünung.“ Auch mit den Finanzen liegt der Bauherr und Bahnbetreiber „weitestgehend im Plan“. Es kann zwar noch die eine oder andere Überraschung geben, aber er rechnet aus heutiger Sicht damit, dass die rund 18 Millionen Euro – Fluthilfe- und Landesmittel – reichen.

Dennoch mag er sich nicht auf einen Eröffnungstermin für das elf Kilometer lange Teilstück von Dipps nach Kipsdorf festlegen. Im Gegenteil, er sagt das, was er seit Jahren sagt: „Wir reden nicht davon, wann wir fahren werden, sondern ob wir fahren.“ Denn es fehlt die Finanzierung für den Bahnbetrieb. Richter zufolge braucht jede Schmalspurbahn etwa zwei Millionen Euro im Jahr, um fahren zu können. Er muss es wissen. Die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft betreibt neben der Weißeritztalbahn noch die Fichtelbergbahn in Oberwiesenthal und die Lößnitzgrundbahn in Radebeul. Diese Summe für die Weißeritztalbahn wird aber allein auf dem ersten Abschnitt zwischen Freital und Dipps verdampft, der seit Dezember 2008 wieder in Betrieb ist. Und im aktuellen Entwurf für den nächsten sächsischen Doppelhaushalt kann Roland Richter auch nicht erkennen, dass sich daran etwas ändern soll. „Es ist keine Erhöhung der Mittel vorgesehen“, sagt er. „Da müssen aber zusätzliche Gelder rein.“ Es sei für die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft immer überraschender, wie beharrlich sich der Freistaat zurückhält.

Fahrpreise müssen angepasst werden

Seit 2008 seien die Zuschüsse konstant. Die Inflation musste über Rationalisierungseffekte ausgeglichen werden. Das sei ausgereizt und lasse sich nicht über Fahrpreise einspielen, die ohnehin ab November angepasst werden müssten. „Es ist ein Unding, von uns zu verlangen, zum gleichen Geld noch bis Kipsdorf zu fahren“, sagt Richter. Das wird und kann er nicht tun. Deshalb sieht der erste Fahrplan-Entwurf, den der Verkehrsverbund Oberelbe präsentierte, so dürftig aus. Der Zugverkehr zwischen Dipps und Freital soll abgespeckt werden, damit wenigstens ein Zug am Tag bis Kipsdorf rollen kann. Gastronomen und Hoteliers im oberen Osterzgebirge reagierten fassungslos. „Das muss mehr als einmal am Tag bis Kipsdorf sein“, ist Richter klar. „Das wissen wir auch, aber es muss finanzierbar sein.“ Diese Voraussetzungen sind aber derzeit nicht gegeben. Hinter den Kulissen werden sehr intensive Gespräche mit dem Verkehrsverbund und dem Wirtschaftsministerium geführt – bisher ohne Erfolg. „Wir brauchen aber schnellstens eine Entscheidung.“ Denn wenn mehr Züge rollen sollen, kann Richter die Signale nicht einfach auf Grün schalten. „Wir brauchen Planungsvorlauf.“ Mehr Züge bedeutet, die Dampfeisenbahngesellschaft braucht auch mehr Personal und muss mehr Züge organisieren. „Wir müssen einen attraktiven Zugbetrieb ankurbeln, sonst wird das nichts.“

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/wir-brauchen-mehr-als-einen-zug-pro-tag-3470142.html

Der Schwerstarbeiter

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Für den Wiederaufbau der Weißeritztalbahn rollt jetzt die Gleisstopfmaschine. Der Koloss ist zugleich ein Sensibelchen.

11.08.2016 Von Franz Herz

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Thomas Busch kontrolliert die Arbeit der Stopfmaschine an den Bimmelbahngleisen oberhalb des Bahnhofs in Dippoldiswalde. Hier sind die grauen Stopfpickel zu sehen, die sich in den Schotter rütteln und diesen unter die Schwellen drücken.

© Egbert Kamprath

Freital. Für den Laien sehen die Gleise der Schmalspurbahn zwischen dem Dippser Bahnhof und Ulberndorf schon gut aus. Dort rollen sogar schon Arbeitszüge. Aber die sind mit größter Vorsicht unterwegs, und das ist auch gut so. Denn teilweise liegen die Schienen noch zu hoch oder zu weit auseinander. Ja, wo die Schienenabschnitte aneinander stoßen, sind sogar noch Lücken. Aber all das wird derzeit in Ordnung gebracht, und dafür ist ein 42 Tonnen schwerer, gelber Koloss verantwortlich, der dort ebenfalls auf den Schienen steht: eine Richt- und Gleisstopfmaschine. Auf den ersten Blick ist es eine robuste Arbeitsmaschine, die mit grobem Schotter umzugehen versteht. Auf den zweiten Blick ist der Koloss ein sensibles Gerät, das mit modernster Lasermesstechnik auf den Millimeter genau arbeitet.

Das ist an den zwei blauen Laserpunkten zu sehen, welche die Maschine vorne und hinten auf die Schienen wirft. Damit misst der Koloss, wie die Schienen liegen. In seinem Computer hat er die Planungsunterlagen gespeichert, wie die Gleise richtig liegen müssen. Wenn das nicht zusammenpasst, dann greift eine Rollenzange zu und hebt die Schienen an oder rückt sie zur Seite. Die Bewegung ist kaum zu sehen, es geht ja höchstens um wenige Zentimeter. Nun passt die Lage der Schienen. Aber wie behalten sie ihre exakte Position?

Dafür ist die robuste Arbeitsmaschine gefragt. In ihrer Mitte ragen acht Metallfinger nach unten, die sogenannten Stopfpickel. Das sind massive Stahlmeißel, geschätzte 40 Zentimeter lang. Diese beginnen zu vibrieren und drücken auf jeder Seite einer Schwelle in den Schotter und pressen ihn unter der Schwelle zusammen. Das Schotterbett wird dann so hoch, wie es für die Schiene erforderlich ist. Das funktioniert auch andersherum, dann drückt die Maschine das Gleis nach unten und rüttelt es in den Schotter hinein, erklärt Ralf Kempe, Betriebsleiter der Weißeritztalbahn.

Bei diesem Arbeitsschritt haben die Bediener der Maschine einen Gehörschutz auf ihren Ohren, denn der dumpfe Lärm der acht Pickel ist weithin in Dippoldiswalde zu hören. So geht es Schwelle für Schwelle voran. Die Rollenzange hält die Schiene exakt in der richtigen Position und die Stopfpickel drücken von unten her den Schotter gegen die Schwelle, damit die den exakt in der richtigen Position bekommt.

In der Regel sind dafür zwei Stopfdurchgänge erforderlich, beim ersten ist noch nicht die erforderliche Genauigkeit zu erreichen, die kommt erst beim zweiten Mal. So hat die Maschine am Mittwochmittag die Schiene über den Firstenweg in Dippoldiswalde gestopft, dann rückte sie ein Stück Richtung Bahnhof Dippoldiswalde. Dort war hinter der ersten Weiche noch ein Nebengleis zu richten. Nun arbeitet sie sich schrittweise voran bis nach Kipsdorf.

Die Maschine gehört Metrico, einem Tochterunternehmen der Gleisbaufirma Sersa, die mit zwei Partnerfirmen für den Wiederaufbau der Weißeritztalbahn bis Kipsdorf verantwortlich ist. Sie ist in ganz Europa unterwegs, in Belgien, Frankreich, der Schweiz. Zuletzt war sie in Vorchdorf in Österreich, erzählt Thomas Busch, der zu ihrer Bedienmannschaft gehört. Sie ist auf Schmalspurbahnen spezialisiert, kann aber auf 750 Millimeter Spurweite und auf 1 000 Millimeter wie auf der Harz-Querbahn eingesetzt werden.

Diese Woche arbeitet das Stopfteam auf dem Abschnitt zwischen dem Dippser Bahnhof und dem Übergang über die B 170 in Ulberndorf. Am Freitagabend kommt dann der Bahnübergang an die Reihe. Dafür wird die Bundesstraße B 170 komplett gesperrt. Am Bahnübergang wurde bisher noch gar nicht gearbeitet, daher sind außer dem Stopfen der Gleise auch noch andere Arbeitsschritte erforderlich. Die Sperrung ist daher für das ganze Wochenende geplant. Ab Montag haben die Autos wieder freie Fahrt, bis am Wochenende darauf die B 170 am Bahnübergang in Obercarsdorf ebenfalls über das Wochenende gesperrt ist. Die Umleitung läuft über Reichstädt und Sadisdorf.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/der-schwerstarbeiter-3466005.html

Unterwegs im sagenhaften Grund

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Der Rabenauer Grund hat alles zu bieten, was es für einen gelungenen Halbtagsausflug braucht.

04.08.2016 Von Andrea Schawe

 im sagenhaften Grund

Die Weißeritztalbahn schlängelt sich neben dem Wanderweg durch den Rabenauer Grund.

© Andreas Weihs

Rabenauer Grund. Es ist kühl und auch ein bisschen dunkel im Schatten unter den Bäumen – der perfekte Ort an heißen Sommertagen. Direkt neben dem Wanderweg schlängelt sich die Weißeritz durch Wald, manchmal wild, an anderen Stellen ganz langsam. Der Rabenauer Grund gehört zu den schönsten Landschaften in der Region – und ist praktisch um die Ecke und deswegen perfekt für einen Kurzausflug geeignet. Am besten macht man sich von Freital-Coßmannsdorf zu Fuß auf den Weg nach Rabenau. Der Wanderweg zwischen den Felsen direkt an der Weißeritz ist gut ausgebaut und auch für Familien mit Kinderwagen oder ältere Spaziergänger geeignet – deswegen auch sehr beliebt. Wer lieber ungestört in der verlassenen Natur wandert, sollte besser den Höhenweg oben am Schluchtrand nutzen.

Die nächste Stunde spaziert man gemütlich durch den Wald – die Landschaft ist malerisch und märchenhaft. Der Pfad ist auch Teil des Sagenweges. Es geht vorbei an mehreren Versuchsstollen aus der Zeit der Ritter von Theler. Die Adligen aus Höckendorf besaßen die Silbergruben von Edle Krone im Tal der Wilden Weißeritz. Im 14./15. Jahrhundert soll ihnen ein Wünschelrutengänger geraten haben, auch im Tal der Roten Weißeritz nach Edelerzen zu suchen. An der Schutzhütte vor der Arthur-Lohse-Brücke gibt es Picknickbänke für eine Rast. Das kleine Holzhaus wurde von der Enso Sachsen Ost – die an der Strecke einen Energie-Erlebnispfad betreibt – neu gebaut, nachdem das alte vom Hochwasser im Juni 2013 fortgespült wurde. Die Flut hat im Grund noch an anderen Stellen Spuren hinterlassen. Bis zum Augusthochwasser 2002 stand die Weißeritz am Nixentump fast still. „Hier hat der alte Nix gewohnt, den Bauern half er ungelohnt. Zwei schöne Töchter waren sein, die bleichten ihre Wäsche fein. Doch klang von Lübau Fidelton, sind zu den Burschen sie entflohn. Sie tanzten frei und ungebunden und waren mitternachts verschwunden“, steht auf einem Schild, das heute etwa drei Meter vom Fluss entfernt ist. Die Flut hat den Lauf der Roten Weißeritz stark verändert.

Am Rabenauer Bahnhof ist die Ausflugsgaststätte „Zum Wanderer“ perfekt für eine Pause. Das Selbstbedienungslokal direkt gegenüber der Rabenauer Mühle – auch ein Restaurant, in das man einkehren kann – hat einen großen Biergarten mit Spielplatz. Ein kühles Bier schmeckt direkt auf einer Bank neben der rauschenden Weißeritz am besten. Vom Rabenauer Bahnhof lohnt sich ein Abstecher ins Deutsche Stuhlbaumuseum im Vorwerk der ehemaligen Burganlage – das ist nur 15 Minuten zu Fuß entfernt. Der Weg führt entweder über die Bahnhofsstraße oder man geht, wie ausgeschildert, den Mühlberg hoch – das ist zwar kürzer, aber auch wesentlich steiler. Hier gibt es einen Abzweig zu den höher gelegenen Stationen des Sagenwegs, etwa dem Aussichtspunkt am Großvaterstuhl oder dem Brautbett. Auf dem Vorsprung soll die Tochter des letzten Ritters von Rabenau mit dem edlen Junker Jeschko von Dohna die Brautnacht verbracht und so die Hochzeit erzwungen haben.

Das Stuhlbaumuseum huldigt in seiner Ausstellung dem Handwerk, für das Rabenau schon seit 400 Jahren bekannt ist. Erzählt wird die Geschichte des Stuhlbaus, zu sehen sind etliche original erhaltene Stühle aus verschiedenen Epochen, historische Werkzeuge und Holzbearbeitungsmaschinen. Im Obergeschoss ist auch eine Heimatsammlung zur Stadtgeschichte Rabenaus und zum Naturschutzgebiet Rabenauer Grund ausgestellt. Zum Abschluss eines Ausflugs in den Rabenauer Grund gehört eine Fahrt mit der Weißeritztalbahn. Vom Bahnhof Rabenau braucht Deutschlands dienstälteste, noch dampflokbetriebene Schmalspurbahn genau zwölf Minuten zurück zum Bahnhof Coßmannsdorf. Die Strecke folgt der des Wanderweges entlang der Weißeritz. Ein Tipp: Für echtes Bimmelbahn-Gefühl muss man im offenen Wagen sitzen – trotz der Rußwolken. Von dort kann man auch den Wanderern besser winken.

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