Postwagen 2960 verlässt die Weißeritztalbahn

in seine neue Heimat Zittau. Nachdem die IG Weißeritztalbahn e.V. den Wagenkasten im Jahr 2003 vom Bahndamm der Hauptstrecke geborgen und lange nach einer weiteren Verwendung gesucht hatte, ergab sich die Möglichkeit zur Abgabe an den IV Zittauer Schmalspurbahnen e.V. (ds)

Weißeritztalbahn wird teurer

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Die Fahrpreise steigen ab 1. November dieses Jahres. Es gibt aber eine Ausnahme.

17.08.2016 Von Mandy Schaks

talbahn wird teurer
Die einfach Fahrt kostet bei Preisstufe 1 ab November 2,30Euro; Preisstufe 2: 4,60 Euro, Stufe 3: 6,40 Euro, Stufe 4: 7,90 Euro und Stufe 5: 12,20 Euro.

© Quelle: SDG

Die Weißeritztalbahn ist noch nicht in Kurort Kipsdorf angekommen, da werden die Fahrpreise erhöht. „Wir müssen die Tarife im November anpassen“, sagt Roland Richter, Geschäftsführer der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft. „Das haben wir zwei Jahre nicht gemacht.“ Nun käme sein Unternehmen nicht mehr umhin. Als Grund nannte er steigende Kosten bei Personal und Betrieb. So wird es zwischen Freital-Hainsberg und Kurort Kipsdorf fünf verschiedene Preisstufen geben. Die einfache Fahrt zwischen Freital-Hainsberg und Dippoldiswalde wird demnach um 20 Cent auf 7,90 Euro erhöht. Für Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren kostet es vier Euro, also 10 Cent mehr. Wer von Dipps bis Kipsdorf fährt, zahlt ebenfalls Preisstufe 4, also 7,90 Euro. Für Hin- und Rückfahrt werden auf diesen Teilstrecken jeweils 15 Euro fällig und damit 40 Cent mehr als bisher. Kinder zahlen 7,60 Euro. Das sind 20 Cent mehr im Vergleich zum gültigen Tarif.

Die einfache Fahrt für die große Tour von Freital-Hainsberg nach Kipsdorf kostet mit der Bimmelbahn 12,20 Euro, für Kinder die Hälfte. Für die Hin- und Rückfahrt müssen Erwachsene 23 Euro entrichten, Kinder 11,50 Euro. Es gibt auch eine gute Nachricht für die Fahrgäste. Die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft bietet weiterhin ein sogenanntes SDG-Kombiticket an. Das gilt nicht nur für die Weißeritztalbahn, sondern auch für die Fichtelbergbahn und die Lößnitzgrundbahn. Das Ticket beinhaltet zehn Einzelfahrten. Und diese Preise werden stabil bleiben. Erwachsene zahlen für das Kombiticket 50 Euro, Kinder die Hälfte.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/weisseritztalbahn-wird-teurer-3470141.html

Genauere Informationen zu den Tarifen ab 01.11.2016 finden Sie bei der SDG ->

„Wir brauchen mehr als einen Zug pro Tag“

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Der Chef der Weißeritztalbahn ist mit dem Baufortschritt nach Kipsdorf zufrieden. Nun hat er ein anderes Problem.

18.08.2016 Von Mandy Schaks

chen mehr als einen Zug pro Tag“

Die Freude war im Dezember 2008 groß. Die Weißeritztalbahn konnte nach der Flut wieder zwischen Dippoldiswalde und Freital rollen. Derzeit wird der zweite Abschnitt gebaut. Wie viel Dampf dort möglich ist, macht Richter große Sorgen.

© Frank Baldauf

Dippoldiswalde/ Freital. Roland Richter ist kein Mann, der öffentlich Dampf ablässt. Das überlässt er seinen Maschinen. Richter ist Herr der Weißeritztalbahn und so gerade der heimliche Star im Osterzgebirge. Jedes Stück Gleis, das Richtung Kipsdorf verlegt wird, macht Anwohner und Bahnliebhaber geradezu euphorisch. 14 Jahre nach der Flut bringt Richter den Erzgebirglern ihre geliebte Bimmel zurück. Was viele aber gar nicht ahnen: Dem Chef der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft steht wohl noch das schwerste Stück bevor. Er weiß nicht, wie er die Dampfrösser am Ende nach Kipsdorf bringen soll – ohne zusätzliches Geld für den Bahnbetrieb. Richter hat Druck.

Mit dem Baufortschritt ist er zufrieden. „Die Firmen arbeiten gut und straff hintereinander weg“, lobt er. „Wir liegen im Zeitplan.“ Er geht davon aus, dass der Wiederaufbau des zweiten Bauabschnittes im vierten Quartal abgeschlossen werden kann, spätestens zum Jahresende. Im Frühjahr, zur Pflanzzeit, sollen noch Restarbeiten folgen. „Dann kommt der letzte optische Schliff, die Begrünung.“ Auch mit den Finanzen liegt der Bauherr und Bahnbetreiber „weitestgehend im Plan“. Es kann zwar noch die eine oder andere Überraschung geben, aber er rechnet aus heutiger Sicht damit, dass die rund 18 Millionen Euro – Fluthilfe- und Landesmittel – reichen.

Dennoch mag er sich nicht auf einen Eröffnungstermin für das elf Kilometer lange Teilstück von Dipps nach Kipsdorf festlegen. Im Gegenteil, er sagt das, was er seit Jahren sagt: „Wir reden nicht davon, wann wir fahren werden, sondern ob wir fahren.“ Denn es fehlt die Finanzierung für den Bahnbetrieb. Richter zufolge braucht jede Schmalspurbahn etwa zwei Millionen Euro im Jahr, um fahren zu können. Er muss es wissen. Die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft betreibt neben der Weißeritztalbahn noch die Fichtelbergbahn in Oberwiesenthal und die Lößnitzgrundbahn in Radebeul. Diese Summe für die Weißeritztalbahn wird aber allein auf dem ersten Abschnitt zwischen Freital und Dipps verdampft, der seit Dezember 2008 wieder in Betrieb ist. Und im aktuellen Entwurf für den nächsten sächsischen Doppelhaushalt kann Roland Richter auch nicht erkennen, dass sich daran etwas ändern soll. „Es ist keine Erhöhung der Mittel vorgesehen“, sagt er. „Da müssen aber zusätzliche Gelder rein.“ Es sei für die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft immer überraschender, wie beharrlich sich der Freistaat zurückhält.

Fahrpreise müssen angepasst werden

Seit 2008 seien die Zuschüsse konstant. Die Inflation musste über Rationalisierungseffekte ausgeglichen werden. Das sei ausgereizt und lasse sich nicht über Fahrpreise einspielen, die ohnehin ab November angepasst werden müssten. „Es ist ein Unding, von uns zu verlangen, zum gleichen Geld noch bis Kipsdorf zu fahren“, sagt Richter. Das wird und kann er nicht tun. Deshalb sieht der erste Fahrplan-Entwurf, den der Verkehrsverbund Oberelbe präsentierte, so dürftig aus. Der Zugverkehr zwischen Dipps und Freital soll abgespeckt werden, damit wenigstens ein Zug am Tag bis Kipsdorf rollen kann. Gastronomen und Hoteliers im oberen Osterzgebirge reagierten fassungslos. „Das muss mehr als einmal am Tag bis Kipsdorf sein“, ist Richter klar. „Das wissen wir auch, aber es muss finanzierbar sein.“ Diese Voraussetzungen sind aber derzeit nicht gegeben. Hinter den Kulissen werden sehr intensive Gespräche mit dem Verkehrsverbund und dem Wirtschaftsministerium geführt – bisher ohne Erfolg. „Wir brauchen aber schnellstens eine Entscheidung.“ Denn wenn mehr Züge rollen sollen, kann Richter die Signale nicht einfach auf Grün schalten. „Wir brauchen Planungsvorlauf.“ Mehr Züge bedeutet, die Dampfeisenbahngesellschaft braucht auch mehr Personal und muss mehr Züge organisieren. „Wir müssen einen attraktiven Zugbetrieb ankurbeln, sonst wird das nichts.“

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/wir-brauchen-mehr-als-einen-zug-pro-tag-3470142.html

Der Schwerstarbeiter

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Für den Wiederaufbau der Weißeritztalbahn rollt jetzt die Gleisstopfmaschine. Der Koloss ist zugleich ein Sensibelchen.

11.08.2016 Von Franz Herz

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Thomas Busch kontrolliert die Arbeit der Stopfmaschine an den Bimmelbahngleisen oberhalb des Bahnhofs in Dippoldiswalde. Hier sind die grauen Stopfpickel zu sehen, die sich in den Schotter rütteln und diesen unter die Schwellen drücken.

© Egbert Kamprath

Freital. Für den Laien sehen die Gleise der Schmalspurbahn zwischen dem Dippser Bahnhof und Ulberndorf schon gut aus. Dort rollen sogar schon Arbeitszüge. Aber die sind mit größter Vorsicht unterwegs, und das ist auch gut so. Denn teilweise liegen die Schienen noch zu hoch oder zu weit auseinander. Ja, wo die Schienenabschnitte aneinander stoßen, sind sogar noch Lücken. Aber all das wird derzeit in Ordnung gebracht, und dafür ist ein 42 Tonnen schwerer, gelber Koloss verantwortlich, der dort ebenfalls auf den Schienen steht: eine Richt- und Gleisstopfmaschine. Auf den ersten Blick ist es eine robuste Arbeitsmaschine, die mit grobem Schotter umzugehen versteht. Auf den zweiten Blick ist der Koloss ein sensibles Gerät, das mit modernster Lasermesstechnik auf den Millimeter genau arbeitet.

Das ist an den zwei blauen Laserpunkten zu sehen, welche die Maschine vorne und hinten auf die Schienen wirft. Damit misst der Koloss, wie die Schienen liegen. In seinem Computer hat er die Planungsunterlagen gespeichert, wie die Gleise richtig liegen müssen. Wenn das nicht zusammenpasst, dann greift eine Rollenzange zu und hebt die Schienen an oder rückt sie zur Seite. Die Bewegung ist kaum zu sehen, es geht ja höchstens um wenige Zentimeter. Nun passt die Lage der Schienen. Aber wie behalten sie ihre exakte Position?

Dafür ist die robuste Arbeitsmaschine gefragt. In ihrer Mitte ragen acht Metallfinger nach unten, die sogenannten Stopfpickel. Das sind massive Stahlmeißel, geschätzte 40 Zentimeter lang. Diese beginnen zu vibrieren und drücken auf jeder Seite einer Schwelle in den Schotter und pressen ihn unter der Schwelle zusammen. Das Schotterbett wird dann so hoch, wie es für die Schiene erforderlich ist. Das funktioniert auch andersherum, dann drückt die Maschine das Gleis nach unten und rüttelt es in den Schotter hinein, erklärt Ralf Kempe, Betriebsleiter der Weißeritztalbahn.

Bei diesem Arbeitsschritt haben die Bediener der Maschine einen Gehörschutz auf ihren Ohren, denn der dumpfe Lärm der acht Pickel ist weithin in Dippoldiswalde zu hören. So geht es Schwelle für Schwelle voran. Die Rollenzange hält die Schiene exakt in der richtigen Position und die Stopfpickel drücken von unten her den Schotter gegen die Schwelle, damit die den exakt in der richtigen Position bekommt.

In der Regel sind dafür zwei Stopfdurchgänge erforderlich, beim ersten ist noch nicht die erforderliche Genauigkeit zu erreichen, die kommt erst beim zweiten Mal. So hat die Maschine am Mittwochmittag die Schiene über den Firstenweg in Dippoldiswalde gestopft, dann rückte sie ein Stück Richtung Bahnhof Dippoldiswalde. Dort war hinter der ersten Weiche noch ein Nebengleis zu richten. Nun arbeitet sie sich schrittweise voran bis nach Kipsdorf.

Die Maschine gehört Metrico, einem Tochterunternehmen der Gleisbaufirma Sersa, die mit zwei Partnerfirmen für den Wiederaufbau der Weißeritztalbahn bis Kipsdorf verantwortlich ist. Sie ist in ganz Europa unterwegs, in Belgien, Frankreich, der Schweiz. Zuletzt war sie in Vorchdorf in Österreich, erzählt Thomas Busch, der zu ihrer Bedienmannschaft gehört. Sie ist auf Schmalspurbahnen spezialisiert, kann aber auf 750 Millimeter Spurweite und auf 1 000 Millimeter wie auf der Harz-Querbahn eingesetzt werden.

Diese Woche arbeitet das Stopfteam auf dem Abschnitt zwischen dem Dippser Bahnhof und dem Übergang über die B 170 in Ulberndorf. Am Freitagabend kommt dann der Bahnübergang an die Reihe. Dafür wird die Bundesstraße B 170 komplett gesperrt. Am Bahnübergang wurde bisher noch gar nicht gearbeitet, daher sind außer dem Stopfen der Gleise auch noch andere Arbeitsschritte erforderlich. Die Sperrung ist daher für das ganze Wochenende geplant. Ab Montag haben die Autos wieder freie Fahrt, bis am Wochenende darauf die B 170 am Bahnübergang in Obercarsdorf ebenfalls über das Wochenende gesperrt ist. Die Umleitung läuft über Reichstädt und Sadisdorf.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/der-schwerstarbeiter-3466005.html

Unterwegs im sagenhaften Grund

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Der Rabenauer Grund hat alles zu bieten, was es für einen gelungenen Halbtagsausflug braucht.

04.08.2016 Von Andrea Schawe

 im sagenhaften Grund

Die Weißeritztalbahn schlängelt sich neben dem Wanderweg durch den Rabenauer Grund.

© Andreas Weihs

Rabenauer Grund. Es ist kühl und auch ein bisschen dunkel im Schatten unter den Bäumen – der perfekte Ort an heißen Sommertagen. Direkt neben dem Wanderweg schlängelt sich die Weißeritz durch Wald, manchmal wild, an anderen Stellen ganz langsam. Der Rabenauer Grund gehört zu den schönsten Landschaften in der Region – und ist praktisch um die Ecke und deswegen perfekt für einen Kurzausflug geeignet. Am besten macht man sich von Freital-Coßmannsdorf zu Fuß auf den Weg nach Rabenau. Der Wanderweg zwischen den Felsen direkt an der Weißeritz ist gut ausgebaut und auch für Familien mit Kinderwagen oder ältere Spaziergänger geeignet – deswegen auch sehr beliebt. Wer lieber ungestört in der verlassenen Natur wandert, sollte besser den Höhenweg oben am Schluchtrand nutzen.

Die nächste Stunde spaziert man gemütlich durch den Wald – die Landschaft ist malerisch und märchenhaft. Der Pfad ist auch Teil des Sagenweges. Es geht vorbei an mehreren Versuchsstollen aus der Zeit der Ritter von Theler. Die Adligen aus Höckendorf besaßen die Silbergruben von Edle Krone im Tal der Wilden Weißeritz. Im 14./15. Jahrhundert soll ihnen ein Wünschelrutengänger geraten haben, auch im Tal der Roten Weißeritz nach Edelerzen zu suchen. An der Schutzhütte vor der Arthur-Lohse-Brücke gibt es Picknickbänke für eine Rast. Das kleine Holzhaus wurde von der Enso Sachsen Ost – die an der Strecke einen Energie-Erlebnispfad betreibt – neu gebaut, nachdem das alte vom Hochwasser im Juni 2013 fortgespült wurde. Die Flut hat im Grund noch an anderen Stellen Spuren hinterlassen. Bis zum Augusthochwasser 2002 stand die Weißeritz am Nixentump fast still. „Hier hat der alte Nix gewohnt, den Bauern half er ungelohnt. Zwei schöne Töchter waren sein, die bleichten ihre Wäsche fein. Doch klang von Lübau Fidelton, sind zu den Burschen sie entflohn. Sie tanzten frei und ungebunden und waren mitternachts verschwunden“, steht auf einem Schild, das heute etwa drei Meter vom Fluss entfernt ist. Die Flut hat den Lauf der Roten Weißeritz stark verändert.

Am Rabenauer Bahnhof ist die Ausflugsgaststätte „Zum Wanderer“ perfekt für eine Pause. Das Selbstbedienungslokal direkt gegenüber der Rabenauer Mühle – auch ein Restaurant, in das man einkehren kann – hat einen großen Biergarten mit Spielplatz. Ein kühles Bier schmeckt direkt auf einer Bank neben der rauschenden Weißeritz am besten. Vom Rabenauer Bahnhof lohnt sich ein Abstecher ins Deutsche Stuhlbaumuseum im Vorwerk der ehemaligen Burganlage – das ist nur 15 Minuten zu Fuß entfernt. Der Weg führt entweder über die Bahnhofsstraße oder man geht, wie ausgeschildert, den Mühlberg hoch – das ist zwar kürzer, aber auch wesentlich steiler. Hier gibt es einen Abzweig zu den höher gelegenen Stationen des Sagenwegs, etwa dem Aussichtspunkt am Großvaterstuhl oder dem Brautbett. Auf dem Vorsprung soll die Tochter des letzten Ritters von Rabenau mit dem edlen Junker Jeschko von Dohna die Brautnacht verbracht und so die Hochzeit erzwungen haben.

Das Stuhlbaumuseum huldigt in seiner Ausstellung dem Handwerk, für das Rabenau schon seit 400 Jahren bekannt ist. Erzählt wird die Geschichte des Stuhlbaus, zu sehen sind etliche original erhaltene Stühle aus verschiedenen Epochen, historische Werkzeuge und Holzbearbeitungsmaschinen. Im Obergeschoss ist auch eine Heimatsammlung zur Stadtgeschichte Rabenaus und zum Naturschutzgebiet Rabenauer Grund ausgestellt. Zum Abschluss eines Ausflugs in den Rabenauer Grund gehört eine Fahrt mit der Weißeritztalbahn. Vom Bahnhof Rabenau braucht Deutschlands dienstälteste, noch dampflokbetriebene Schmalspurbahn genau zwölf Minuten zurück zum Bahnhof Coßmannsdorf. Die Strecke folgt der des Wanderweges entlang der Weißeritz. Ein Tipp: Für echtes Bimmelbahn-Gefühl muss man im offenen Wagen sitzen – trotz der Rußwolken. Von dort kann man auch den Wanderern besser winken.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/unterwegs-im-sagenhaften-grund-3460227.html

Die unbekannte Seite der Malter

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Die Malter-Talsperre bei Dippoldiswalde gilt als die Badewanne der Region. Somit scheint klar, welche Freizeitvergnügen hier auf dem Programm stehen: schwimmen, paddeln, sich in der Sonne aalen. Doch in diesem Sommer ist das Wetter nicht jeden Tag dafür geeignet. Dennoch ist die Talsperre und ihre Umgebung auch bei bewölktem Himmel ein lohnendes Ausflugsziel. So ist der Panoramaweg an der Talsperre für Familien geeignet, bietet faszinierende Einblicke in die Geschichte des Osterzgebirges und der Malter – und lässt sich mit einer Fahrt mit der Weißeritztalbahn bestens kombinieren. Die Runde wurde von zwei Wanderenthusiasten ausgeschildert.

03.08.2016 Von Franz Herz

annte Seite der Malter

Albrecht Seifert (li.) und Günter Brückner stehen hier auf dem Lehrpfad in Malter. Hinter ihnen ist das alte Trafohaus zu sehen, das die Einwohner neu gestaltet und als Unterschlupf für Vögel und Fledermäuse hergerichtet haben.
Foto: Egbert Kamprath

Den Blick übers Wasser der Talsperre Malter kennt fast jeder. Wer einmal eine andere Perspektive der Malter und ihrer Umgebung kennenlernen will, kann auf den Panoramarundweg im Ortsteil Malter wandern. Günter Brückner, der sich um die Wanderwege im Dippoldiswalder Ortsteil Malter kümmert, hat den Weg auf vorhandenen historischen Wegen ausgeschildert.

Vom Bahnhof gehen wir 200 Meter in Richtung Ortsmitte, wo auch eine Informationstafel aufgestellt ist. Hier treffe ich Günter Brückner, den Wegewart, und Albrecht Seifert, der sich in der historischen Arbeitsgruppe um die Geschichte des Ortes und der Talsperre kümmert. Die ersten Meter gehen wir an der Straße entlang und überqueren Bormanns Grund auf der Straßenbrücke. Dabei bietet sich der bekannte Blick auf die Bogenbrücke der Eisenbahn.

Nach der Brücke führt der Weg nach rechts zwischen Garagen und Bootshäusern hindurch Richtung Talsperre. Von hier gehen wir rund eineinhalb Kilometer im Schatten der Bäume oberhalb der Talsperre parallel zur Schmalspurstrecke in Richtung Dippoldiswalde. Mehrfach sind Aussichtspunkte eingerichtet, wo Wanderer sich auf Bänken ausruhen und den Blick auf das gegenüberliegende Ufer genießen können. Eisenbahnfreunde, die ihre Wanderung auf den Fahrplan abstimmen, können einen Dampfzug vor ihrer Nase vorbeifahren sehen. „Hier hat die Talsperre eine Wassertiefe von 20 Metern. Das zeigt, wie tief eingeschnitten das Tal und wie schroff die Landschaft war, bevor die Talsperre gebaut wurde“, berichtet Albrecht Seifert.

Kurz vor Dippoldiswalde stößt der Fußweg auf den Taubenbergweg, der von Dippoldiswalde auf die Höhe führt. Der Rundweg macht hier eine Kehre zurück in Richtung Malter. Nun geht es hoch, aber nicht zu schroff. Der Höhenunterschied auf dem gesamten Weg liegt bei gut 60 Metern. Das schaffen auch untrainierte Wanderer. Schließlich trifft der Taubenbergweg auf den Plattenweg und führt auf diesem weiter. „Es lohnt sich, einen kleinen Abstecher nach rechts zu machen. Da hat man einen schönen Blick über Dippoldiswalde und ins Osterzgebirge“, sagt Günter Brückner. Doch der eigentliche Rundweg geht nach links weiter zurück nach Malter und in Obermalter am Waldrand entlang. Früher waren diese Verbindungen Wirtschaftswege, über welche die Fuhrwerke in die Steinbrüche in der Dippser Heide rollten. Dort wurde Sandstein abgebaut zum Schleifen von Werkzeugen. Sandsteine aus der Dippser Heide sind auch beim Bau des Dippser Schlosses verwendet worden.

In Malter angekommen, machen wir jetzt einen Abstecher vom Panoramaweg, gehen 300 Meter auf der Hohen Straße nach unten und biegen in die Straße „Zur Heide“ ein. Hier verläuft der Lehrpfad Malter. Er führt beispielsweise am ehemaligen Trafohäuschen vorbei, das die Einwohner von Malter in Eigeninitiative schön gestaltet und als Vogel- und Fledermausunterkunft hergerichtet haben.

„Fledermäuse haben sich dort noch nicht eingenistet, aber eine ganze Reihe von Vögeln“, berichtet Brückner. Gleich daneben ist der ehemalige Feuerlöschteich, der sich inzwischen zu einem Wasserbiotop entwickelt hat.

Ein Stück Dippser Heide

In der Siedlung biegen wir nach rechts in die Straße der Einheit. Die stößt am Waldrand wieder auf den Panoramarundweg. Der führt jetzt in den Wald zum Steinborn, einem Denkmal der Dippoldiswalder Stadtgeschichte. Von hier aus wurde ab 1530 die Stadt mit Trinkwasser versorgt. Erst lief das Wasser über Jahrhunderte in Holzröhren. Die wurden 1867 durch eine gusseiserne Leitung ersetzt. Diese ging 1997 außer Betrieb. Heute speist der Brunnen den Wasserspielplatz am Waldrand darunter.

Der Panoramaweg führt durch den Randbereich der Dippser Heide an zwei Schutzhütten vorbei, wo man im Schatten picknicken oder auch einen Regenschauer abwarten kann. Schließlich stößt der Weg am Ortsende von Malter auf die Kurhausstraße, die durch den Ort zu unserem Ausgangspunkt zurückführt. 5,4 Kilometer haben wir jetzt mit allen Abstechern zurückgelegt, hat der GPS-Sensor im Smartphone gemessen. Rund 140 Meter sind wir hoch- und runtergegangen.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/die-unbekannte-seite-der-malter-3458699.html

Wie weit reicht der Dampf?

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Die Weißeritztalbahn soll in diesem Jahr in Kipsdorf ankommen. Ein erster Fahrplan-Entwurf sorgt für lange Gesichter.

03.08.2016 Von Mandy Schaks

reicht der Dampf?
Erst ließ der Wiederaufbau der Weißeritztalbahn Jahre auf sich warten, nachdem die Strecke bei der Flut 2002 zerstört worden war. Nun ringen schon seit Monaten Verkehrsverbund Oberelbe und der Betreiber der Strecke, die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft, um eine Lösung, wie der Fahrplan bis Kipsdorf aussehen könnte.

© Egbert Kamprath

Dippoldiswalde/Freital.Jan Kempe sieht es schon vor seinem geistigen Auge: Wenn die Weißeritztalbahn in diesem Jahr endlich am Bahnhof Kipsdorf ankommt, müssen gleich am Bahngelände riesengroße Info-Tafeln stehen mit Ausflugstipps. „Die Fahrgäste, die hier aussteigen, müssen sofort sehen, was sie von hier aus unternehmen können“, sagt der Chef vom Naturhotel Gasthof Bärenfels. Kempes Berufskollegin nickt. „Am besten wäre, wenn schon im Zug Flyer über die Region ausliegen, die jeder mitnehmen kann“, sinniert Ines Schubert, die Direktorin vom Best Western Hotel Stephanshöhe in Schellerhau. Doch dafür müssen die Züge erst mal bis Kipsdorf fahren. Gebaut wird an der flutzerstörten Strecke zwischen Dippoldiswalde und Kurort Kipsdorf inzwischen emsig. Doch als ein erster Fahrplan-Entwurf des Verkehrsverbundes Oberelbe Ende Juni durch die Sächsische Zeitung öffentlich wurde, wussten Gastronomen und Hoteliers im Osterzgebirge im ersten Moment nicht, ob sie lachen oder weinen sollten. Das Geld zum Betrieb der Weißeritztalbahn reicht hinten und vorn nicht. Damit überhaupt auf der gesamten Strecke Züge rollen können, sieht deshalb der Musterfahrplan künftig täglich nur noch zwei Fahrten von Freital-Hainsberg bis Dippoldiswalde und zurück vor, jetzt sind es sechs. Und bis Kipsdorf soll lediglich einmal am Tag ein Zug unterwegs sein. Zu Feiertagen oder an ausgewählten Wochenenden könnte dann noch die eine oder andere Fahrt dazukommen. Doch das kann Hotel-Chefin Ines Schubert aus Schellerhau wenig trösten. „Ich gehe davon aus, dass die Bahn wiederaufgebaut wird, um unser Gebiet hier oben auch touristisch attraktiver zu machen“, sagt sie. Zum einen sei aus Sicht der Branche ein Ziel, Tagesgäste zu gewinnen. Zum anderen wolle man mit dem Highlight, der dienstältesten Schmalspurbahn Deutschlands, werben und so die Belegung in den Gästehäusern steigern. „Wie das aber jetzt aussieht, kann ich kein einziges Zimmer zusätzlich verkaufen, wenn nur einmal am Tag die Bahn fährt und so nur von Kipsdorf nach Freital“, zeigt sie Konsequenzen auf. „Unsere Gäste kommen doch dann gar nicht mehr von Freital zurück.“

Dabei sitzt seit Monaten eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Tourismusverbandes Erzgebirge zusammen und schmiedet Pläne, wie die Fahrgäste, die in Kipsdorf aussteigen, weitere Ziele ansteuern können. So ist im Gespräch, zum Beispiel mit der Altenberger Bimmelbahn auf Rädern Besucher zu empfangen und weiter gemütlich ins Bergland zu befördern, wo sie wandern, einkehren oder Sport und Spiel frönen können. So ließe sich auch die Weißeritztalbahn mit der Müglitztalbahn verbinden. Aber wie denn, wenn der Zug in Kipsdorf erst 15.41  Uhr ankommt? Projektmanagerin Anke Eichler vom Tourismusverband Erzgebirge ringt um Worte. „So funktioniert das nicht“, sagt sie. „Wenn Gäste mit der Bahn in Kipsdorf ankommen, können sie ja kaum einen Kaffee trinken.“ Denn sie haben gerade mal 21  Minuten Aufenthalt, dann fährt der Zug wieder ab Richtung Freital. Nicht mal ein Zwischenstopp in Dippoldiswalde lohne sich für die Gäste aus dem Kammgebiet dann. Der Zug rollt hier 16.40  Uhr am Bahnhof ein. Interessante touristische Einrichtungen wie das Lohgerbermuseum schließen 17  Uhr.

Aus Sicht von Tourismus-Chefin Veronika Hiebl geht so ein Fahrplan definitiv nicht. Sie befürchtet sogar, dass auf der Basis niemand entlang der Strecke bereit ist, auch nur einen einzigen Euro zu investieren, „weil dann sowieso nur wenige Gäste kommen“. Da sei keine Motivation mehr vorhanden. Inzwischen haben sich die Vertreter der Tourismusbranche aus dem Osterzgebirge näher mit dem Entwurf befasst. „Die Einschätzung ist vernichtend“, teilten sie dem Verkehrsverbund Oberelbe und dem Bahnbetreiber, der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft, mit. „Niemand kann glauben, dass der Fahrplanentwurf ernst gemeint ist, denn der touristische Nutzen geht gegen null!“

Der Tourismusverband Erzgebirge und der Wirtestammtisch Altenberg-Geising fordern in dem Brief beide Unternehmen auf, den Entwurf des Fahrplanes grundlegend zu überarbeiten und die touristischen Interessen zu berücksichtigen. Wenigstens zweimal am Tag müsste ein Zug durchgehend zwischen Freital und Kipsdorf und zurück verkehren. Schließlich gehe es auch um erhebliche Investitionen, die gegenüber dem Steuerzahler zu rechtfertigen sind. Der erste Abschnitt des Wiederaufbaus von Freital nach Kipsdorf kostete rund 23  Millionen Euro und ging 2008 in Betrieb. Für den zweiten Abschnitt bis Kurort Kipsdorf sind noch einmal 18  Millionen Euro veranschlagt, der soll in diesem Jahr fertig werden.

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/wie-weit-reicht-der-dampf-3458601.html

2. Tag des Schmalspurbahn-Festivals

Schmalspurbahn-Festival 2016

Fotos vom 1. Tag des Schmalspurbahn-Festivals auf der Weißeritztalbahn